{"id":13227,"date":"2020-03-14T13:30:00","date_gmt":"2020-03-14T12:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13227"},"modified":"2020-03-14T13:18:49","modified_gmt":"2020-03-14T12:18:49","slug":"dhd-2020-blickfelder-perspektivitaet-und-spielraeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13227","title":{"rendered":"DHd 2020 \u2013 Blickfelder, Perspektivit\u00e4t und Spielr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p>Die diverse Auslegbarkeit des Mottos <a href=\"https:\/\/dhd2020.de\/call-for-papers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSpielr\u00e4ume\u201c<\/a> der <a href=\"https:\/\/dhd2020.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">7. Jahrestagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum<\/a> offenbart sich den Konferenzteilnehmer*innen w\u00e4hrend einer einw\u00f6chigen Begegnung in Paderborn. Es geht um Interpretationsspielr\u00e4ume, Gamification, spielerische Datenexploration, Informationsr\u00e4ume, M\u00f6glichkeiten und Grenzen von Handlungsspielr\u00e4umen, geografische Modellierung&#8230; Im Folgenden soll ein Einblick in eine Auswahl der von mir besuchten Vortr\u00e4ge auf der DHd 2020 gegeben werden:<\/p>\n<ul>\n<li><a class=\"internal-link\" href=\"#spielraum\">Der Spielraum \u2193<\/a><\/li>\n<li><a class=\"internal-link\" href=\"#vielfalt\">Die Vielfalt \u2193<\/a><\/li>\n<li><a class=\"internal-link\" href=\"#text\">Das Textverst\u00e4ndnis \u2193<\/a><\/li>\n<li><a class=\"internal-link\" href=\"#ausblick\">Ausblick \u2193<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2><span id=\"spielraum\">Der Spielraum<\/span><\/h2>\n<p>In ihrer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zhA_IywddGk&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Er\u00f6ffnungskeynote<\/a> mit dem Titel \u201eFrom Modeling to Interpretation\u201c setzt <a href=\"https:\/\/cssh.northeastern.edu\/people\/faculty\/julia-flanders\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Julia Flanders<\/a> den \u201eSpielraum\u201c selbst als Modell zur Beschreibung der Datenmodellierung ein. Bei Spielr\u00e4umen handele es sich um R\u00e4ume, die einerseits auf eine gewisse Form der (Inter-, Trans-) Aktion angewiesen sind, die aber andererseits auch Restriktionen aufweisen m\u00fcssen. So stehen sich stets das Einhalten von Regeln\/das Erreichen von Konformit\u00e4t und die Anpassung an spezifische, individuelle Anforderungen gegen\u00fcber. Diesbez\u00fcglich kommt es auch zu den Gegen\u00fcberstellungen \u201estrong theory\u201c vs. \u201eweak theory\u201c sowie \u201estrong models\u201c vs. \u201eweak models\u201c. Die \u201estrong theory\u201c beschreibt nach Bordieu ein System, in dem jedes einzelne Objekt in den Gesamtkontext des Feldes passt und Ausrei\u00dfer schwer einzuordnen sind. Die \u201eweak theory\u201c, angelehnt an Latour, stellt hingegen einen offenen, zentrifugalen Fluss von Assoziationen dar. Eine \u201eweak theory\u201c l\u00e4sst sich nach Wai Chee Dimock wie folgt beschreiben:<\/p>\n<blockquote style=\"margin-left: 30px;border-left: 4px solid #333;padding-left: 10px\">\n<p>\u201eThese dispersed, episodic webs of association, not supervised and not formalizable, make it an open question what is primary, what is determinative, what counts as the center and what counts as the margins.\u201d<\/p>\n<p><em>&#8211; Dimock 2013, S. 737, zitiert nach Flanders 2020.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eine Vision w\u00e4re das Aufbrechen der festgelegten Vorgehensweise (die Modellierung nimmt \u00fcblicherweise einen Einfluss auf die Interpretation) in st\u00e4rker dialogische, iterative Prozesse. Flanders adressiert auch den Einbezug nicht-akademischer Akteur*innen und \u00e4u\u00dfert den Wunsch, dass die DH mehr Zug\u00e4nge f\u00fcr die allgemeine \u00d6ffentlichkeit schaffen:<\/p>\n<blockquote style=\"margin-left: 30px;border-left: 4px solid #333;padding-left: 10px\">\n<p>\u201eWe need to be prepared to open that space up to interpretive work that may be deeply unfamiliar, unauthorized, critical, even antagonistic. We must genuinely allow it its own autonomous &#8218;Spielraum&#8216;.\u201c<\/p>\n<p><em>&#8211; Flanders 2020, bei 1:50:00.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zusammengefasst bedarf es demnach umfangreiches Engagement, Verst\u00e4ndnis, Didaktik und letztendlich den Beschluss, aufeinander zuzugehen und neue Wege zu schaffen, wo noch keine sind. Innerhalb der Digital Humanities muss eine Bereitschaft erreicht werden, neue implizite wie explizite Verbindungen in das Netz der diversen, fachspezifischen Wissensgraphen einzubringen und hierf\u00fcr m\u00fcssen wir unsere Gegenst\u00e4nde einander (aber auch weiteren Entscheidungstr\u00e4gern) erkl\u00e4ren, das Spezifische abstrahieren und das Abstrakte spezifizieren.<\/p>\n<h2><span id=\"vielfalt\">Die Vielfalt<\/span><\/h2>\n<p>Die Session \u201eVisualisierung und Erkenntnis\u201c widmet sich kritisch der Frage, wie man aus Visualisierungen neue Erkenntnisse generieren kann. Was muss Visualisierung k\u00f6nnen? Wie k\u00f6nnen wir Visualisierung operationalisieren? Mit welcher Art von (Informations-)R\u00e4umen haben wir es in der Visualisierung zu tun? Dies sind nur einige der Fragen, die in diesem Kontext angesprochen werden.<\/p>\n<p>Der Vortrag \u201eDie Falte: Ein Denkraum f\u00fcr interaktive und kritische Datenvisualisierungen\u201c (Viktoria Br\u00fcggemann, Mark-Jan Bludau, Marian D\u00f6rk) thematisiert die Gestaltung flie\u00dfender \u00dcberg\u00e4nge zwischen und interaktiver Zug\u00e4nge zu einzelnen Objekten sowie zur \u00fcberordneten Sammlung. Anhand der Deleuze&#8217;schen Triade der Falte (\u201efold\u201c) \u201eExplizieren-Implizieren-Komplizieren\u201c (Deleuze 1996, S. 45, zitiert nach DHd 2020, S. 114) werden die verschiedenen Ebenen und Abstraktionsgrade von Datenvisualisierungen untersucht.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-twitter wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter\" style=\"padding-left: 80px\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Jetzt pr\u00e4sentieren <a href=\"https:\/\/twitter.com\/vik_bru?ref_src=twsrc%5Etfw\">@vik_bru<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/markiaaan?ref_src=twsrc%5Etfw\">@markiaaan<\/a> in V5: Visualisierung und Erkenntnis \u00bbDie Falte: Ein Denkraum f\u00fcr interaktive und kritische Datenvisualisierungen\u00ab<br><br>Hier sind die GIF-beladenen Folien: <a href=\"https:\/\/t.co\/BhAvjh4n2m\">https:\/\/t.co\/BhAvjh4n2m<\/a><br><br>und der Abstract: <a href=\"https:\/\/t.co\/RxRhwlomXf\">https:\/\/t.co\/RxRhwlomXf<\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/dhd2020?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#dhd2020<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/slides?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#slides<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/U9fLTl9Cht\">pic.twitter.com\/U9fLTl9Cht<\/a><\/p>&mdash; Marian D\u00f6rk (@nrchtct) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nrchtct\/status\/1235142689483612161?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 4, 2020<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n<p>Implikation und Explikation stehen sich als zusammen- bzw. entfaltende Aktionen kontrastierend gegen\u00fcber und machen existierende Verbindungen \u201elediglich\u201c sichtbar bzw. verstecken diese, wobei hierdurch bereits \u201eunvorhersehbare Ergebnisse und neue Verbindungen entstehen\u201c (DHd 2020, S. 114) k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnet die Komplikation als \u201eProzess der Informationsakkumulation und Vernetzung von allem Wahrnehmbaren\u201c (DHd 2020, S. 114) eine innovative Strukturierung des vorliegenden Gegenstands und \u201e[\u00fc]berraschende Ergebnisse\u201c (DHd 2020, S. 114).<\/p>\n<p>Interessant ist auch folgende, auf Deleuzes Vorstellung der Monade aufbauende Aussage:<\/p>\n<blockquote style=\"margin-left: 30px;border-left: 4px solid #333;padding-left: 10px\">\n<p>\u201eDa alles in der Monade zur Unendlichkeit gefaltet ist, liegt jede M\u00f6glichkeit bereits in ihr, auch wenn sie zu keinem Zeitpunkt in ihrer Gesamtheit zu erfassen ist.\u201c<\/p>\n<p><em>&#8211; DHd 2020, S. 114.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Hiermit wird veranschaulicht, wie analytisch das Vorgehen bei der Visualisierung von Daten sein kann, und dass die Visualisierung \u2013 parallel zu anderen Methoden der Datenauswertung in den Digital Humanities \u2013 auf ein stark statistisches, wahrscheinlichkeitsbasiertes Grundger\u00fcst baut. Diese Distanzierung von eindeutigen und interpretationsunabh\u00e4ngigen Ergebnissen und die sich stattdessen vollziehende Orientierung in einem unbegrenzten Universum potentieller Ausg\u00e4nge ist es wom\u00f6glich, die ebenso am maschinellen Lernen oder an der quantitativen Textanalyse (zum Beispiel Topic Modeling oder Stilometrie) aufgrund einer angeblich daraus resultierenden Ungenauigkeit kritisiert wird.<\/p>\n<p>Br\u00fcggemann, Bludau und D\u00f6rk kommen zu folgendem Schluss: \u201eDie h\u00e4ufige Ansicht von Daten als &#8218;gegeben&#8216; (Drucker 2011), &#8218;objektiv&#8216; oder &#8218;unver\u00e4nderlich&#8216;, wird durch die Theorie der Falte in Frage gestellt\u201c (DHd 2020, S. 116). Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Auch wenn bereits die Erhebung von Daten in gewisser Weise theoriegeleitet und damit interpretationsgebunden ist, sind Daten an sich ein sehr objektives und minimalistisches Format f\u00fcr die Manifestation von Inhalten (verglichen z. B. mit Informationen oder Wissen). Vor allem die Darstellung von Daten ist es, die stets subjektiv und perspektivisch erfolgt. Aus dem inspirierenden Vortrag und der Verkn\u00fcpfung zur genannten Theorie der Falte l\u00e4sst sich vor allem schlussfolgern, dass Visualisierung mehr sein sollte als nur ein statisches Abbild von Daten, erstellt durch eine einzige Person, die eine spezifische Vorstellung dieser Daten und der Bedeutung der zugeh\u00f6rigen Visualisierung hat. Ein \u201eMehr\u201c an Objektivit\u00e4t wird dann durch die M\u00f6glichkeit einer nutzungszentrierten Datenexploration und eine Reduzierung der perspektivischen Abh\u00e4ngigkeit geschaffen.<\/p>\n<h2><span id=\"text\">Das Textverst\u00e4ndnis<\/span><\/h2>\n<p>In dem Vortrag \u201eWie wir lesen k\u00f6nnten. Streamreader<sub>PS<\/sub> 0.1\u201c (Patrick Sahle) flie\u00dft nicht nur der Text (von rechts nach links), es flie\u00dfen auch Ideen und Gedanken zur Position, die dieser im digitalen Raum bislang weitestgehend ohne zus\u00e4tzliche Hinterfragung eingenommen hat. Eine Beschreibung des Streamreaders mit Worten f\u00e4llt (mir pers\u00f6nlich) schwer, und eine Darstellung im analogen Textmedium ist schlichtweg unm\u00f6glich:<\/p>\n<div id=\"attachment_13247\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/streamreader.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13247\" class=\"size-full wp-image-13247\" style=\"margin-left: 60px\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/streamreader.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"300\"><\/a><p id=\"caption-attachment-13247\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot aus Sch\u00f6ch (Hrsg.) <a href=\"http:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3666690\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spielr\u00e4ume: Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation. Konferenzabstracts<\/a>, S. 256, lizensiert unter <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/legalcode\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CC BY 4.0<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Daher ist es zu empfehlen, den <a href=\"http:\/\/dev.cceh.uni-koeln.de\/sr-sd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prototypen<\/a> (erstellt von Sviatoslav Drach, konkrete Funktionalit\u00e4ten beschrieben im zugeh\u00f6rigen Abstract, DHd 2020, S. 367-369) zun\u00e4chst selbst auszutesten. \u201eDarstellung und Steuerung h\u00e4ngen im Detail von der gew\u00e4hlten technischen L\u00f6sung und medialen Umgebung ab\u201c (DHd 2020, S. 256). Es werden Anwendungsszenarien f\u00fcr die Nutzung des Streamreaders mit einem Smartphone, einer VR-Brille und einem Projektor skizziert. Wenngleich Sahle \u201edie Idee, Text sei (letztlich nur) eine Abfolge von Zeichen, W\u00f6rtern oder S\u00e4tzen\u201c (DHd 2020, S. 255) als unsinnig bezeichnet, wird mit dem Streamreader genau dieser Ansatz erneut aufgegriffen:<\/p>\n<blockquote style=\"margin-left: 30px;border-left: 4px solid #333;padding-left: 10px\">\n<p>\u201eWas jedoch w\u00fcrde passieren, wenn wir die (naive) Ursprungsidee des Textes als Zeichenstrom wieder aufn\u00e4hmen und sie mit aktuellen technischen M\u00f6glichkeiten verb\u00e4nden?\u201c<\/p>\n<p><em>&#8211; DHd 2020, S. 256.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dabei geht es vor allem um eine \u201emedien- und technikkritische Untersuchung zu Textualit\u00e4t als Medialit\u00e4t\u201c (DHd 2020, S. 257) und nicht darum, eine alternative Lesetechnologie zu entwickeln, die zum Beispiel eine effizientere Rezeption von Text zur Folge hat.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-twitter wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter\" style=\"padding-left: 80px\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"de\" dir=\"ltr\">&quot;Wir haben gar kein Problem&quot; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/patrick_sahle?ref_src=twsrc%5Etfw\">@patrick_sahle<\/a> So geht angewandte Theorie in den <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/digitalhumanities?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#digitalhumanities<\/a>. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/DHd2020?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#DHd2020<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/obtZsCNOgV\">pic.twitter.com\/obtZsCNOgV<\/a><\/p>&mdash; Fabian Cremer (@fabian_cremer) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/fabian_cremer\/status\/1235526878724845569?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 5, 2020<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n<p>Stattdessen soll der Text hiermit erstmalig aus seiner medialen Gefangenschaft, aus der statischen Zweidimensionalit\u00e4t der gedruckten Medien in ein der Digitalit\u00e4t w\u00fcrdiges Format befreit werden. Hierbei wird nicht (nur) der Text aus dem analogen in den digitalen Bereich \u00fcbertragen, vielmehr erfolgt eine Transformation des Raumes selbst, in welchem sich der Text befindet. Es geht eben nicht darum, die bisherigen Spielr\u00e4ume zu nutzen, sondern diese zu hinterfragen, die Grenzen neu zu definieren und au\u00dfergew\u00f6hnliche Rahmenbedingungen zu schaffen.<\/p>\n<p>Der Vortrag kann als erster Ansto\u00df verstanden werden, der in viele Richtungen weitergedacht und -entwickelt werden kann. Ankn\u00fcpfende Fragestellungen w\u00e4ren beispielsweise:<\/p>\n<blockquote style=\"margin-left: 30px;border-left: 4px solid #333;padding-left: 10px\">\n<p>\u201e[W]ie verhalten sich verschiedene Textsorten in den Textmedien? Welche Medien unterst\u00fctzen oder behindern welche Textsorten? Welche lassen sich besser oder schlechter von einem anderen Medium adaptieren?\u201c<\/p>\n<p><em>&#8211; DHd 2020, S. 257.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eWir kennen die historischen Textmedien, wir haben elektronische Texte entwickelt, die Diskussion um Hypertext und Multimedia ist gef\u00fchrt\u201c (DHd 2020, S. 257). Es ist verbl\u00fcffend, welche Parallelen sich aus Sahles Forderung nach mehr Offenheit und Agilit\u00e4t in der Digitalit\u00e4t zu genau diesen vorangegangenen Diskussionen ergeben (man denke beispielsweise an das <a href=\"http:\/\/www.xanadu.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Projekt XANADU<\/a>). Wom\u00f6glich ist Folgendes eine der Haupterkenntnisse, die ich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich aus der diesj\u00e4hrigen DHd gezogen habe: lieber ab und zu das Risiko eingehen, Grenzen zu \u00fcberschreiten \u2013 daf\u00fcr aber wahre Innovation zulassen.<\/p>\n<h2><span id=\"ausblick\">Ausblick<\/span><\/h2>\n<p>Die drei in diesem Blogpost diskutierten Vortr\u00e4ge stehen beispielhaft f\u00fcr die DHd 2020 und zeigen auf, dass Digital Humanities Forschung immer in Form eines Wechselspiels daherkommt. Kompetenzen wie das Abw\u00e4gen und Balancieren zwischen Offenheit und Beschr\u00e4nkung in Modellierung, Methodenfindung und Kollaboration sind relevant f\u00fcr den Digital Humanist von heute und morgen. Die DHd 2020 wirft zudem einmal mehr den Fokus auf theoretische und grundlegende Fragestellungen, nicht zuletzt durch unz\u00e4hlige theoriebasierte Vortr\u00e4ge, einen Workshop zur Theoriebildung (\u201eSpielpl\u00e4tze der Theoriebildung in den Digital Humanities\u201c) und die neu gegr\u00fcndete <a href=\"https:\/\/dhtheorien.hypotheses.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AG Digital Humanities Theorie<\/a>. Mehr als einmal wird die Wichtigkeit betont, Begriffe zu disambiguieren und ein gemeinsames Vokabular zu finden. Es scheint, als m\u00fcssten eindeutige Vereinbarungen getroffen werden, sodass Kommunikation und Interaktion m\u00f6glichst frei und ungehindert stattfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was die Konferenzen des DHd-Verbands (und in diesem Zusammenhang auch die DHd 2020) f\u00fcr mich ausmachen? Es ist dieses komprimierte Format, das ein ganzes Jahr Forschungsaktivit\u00e4t der unterschiedlichen DH-Standorte an einem gro\u00dfen Tisch zusammenbringt und \u00fcber disziplin\u00e4re, geografische, institutionsbezogene, thematische Barrieren hinweg in einen Austausch treten l\u00e4sst. Es sind die Wissenschaftler*innen, Softwareentwickler*innen, genuinen DHler*innen, Studierenden, Professor*innen, Infrastrukturhelfer*innen&#8230;, die in der Gesamtheit einen so diversen fachlichen Hintergrund aufweisen, dass sich nach einer Woche DHd ein extensives Gesamtbild \u00fcber das Feld rekonstruieren l\u00e4sst. Und es ist vor allem die Tatsache, dass ich nicht nur Wissensl\u00fccken f\u00fcllen, sondern auch Neues lernen kann, mit dem ich noch nicht einmal gerechnet hatte.<\/p>\n<p>Die kommende DHd 2021 in Potsdam erwarte ich jedoch nicht nur aus oben genannten Gr\u00fcnden mit gro\u00dfer Freude. Sentimental blicke ich auf meine ganz pers\u00f6nliche DH-Reise zur\u00fcck, die ihren Ursprung vor ungef\u00e4hr drei Jahren genau hier, in einem Bachelorstudium Bibliotheksmanagement an der Fachhochschule Potsdam nahm. Ich erinnere mich an erste Ber\u00fchrungspunkte mit methodischen Fragestellungen und dem Begriff der \u201eDigital Humanities\u201c, dessen Ausma\u00df ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise erahnte.<\/p>\n<p>Mit diesem Blogpost m\u00f6chte ich mich ganz herzlich bei der <a href=\"https:\/\/www.uni-paderborn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Paderborn<\/a>, bei <a href=\"https:\/\/www.clariah.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CLARIAH-DE<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/dig-hum.de\/ target=\" rel=\"noopener noreferrer\">DHd-Verband<\/a> und allen Beteiligten f\u00fcr die Unterst\u00fctzung zur Teilnahme an der DHd 2020 in Form eines Reisestipendiums bedanken. Wir sehen uns &#8211; sp\u00e4testens <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dhd2021\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">@dhd2021<\/a>!<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/infowissblog.de\/index.php\/ueber\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sophie Schneider<\/a> (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/BibWiss\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">@BibWiss<\/a>) studiert aktuell im Master Information Science an der HU Berlin.<\/em><\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Deleuze, G. (1996). Die Falte. Leibniz und der Barock, \u00fcbersetzt von Ulrich Johannes Schneider. Frankfurt: Suhrkamp.<\/p>\n<p>DHd (2020) <a href=\"http:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3666690\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spielr\u00e4ume: Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation. Konferenzabstracts<\/a>, herausgegeben von Christof Sch\u00f6ch. http:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3666690.<\/p>\n<p>Dimock, W. C. (2013). Weak Theory: Henry James, Colm T\u00f3ib\u00edn, and W. B. Yeats. Critical Inquiry, 39(4), 732\u2013753. doi:10.1086\/671354.<\/p>\n<p>Flanders, J. (2020). <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zhA_IywddGk&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Er\u00f6ffnungskeynote zur DHd2020 | \ud83d\udd34LIVE aus dem Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn<\/a> [zuletzt abgerufen am 13.03.2020].<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diverse Auslegbarkeit des Mottos \u201eSpielr\u00e4ume\u201c der 7. Jahrestagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum offenbart sich den Konferenzteilnehmer*innen w\u00e4hrend einer einw\u00f6chigen Begegnung in Paderborn. 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