{"id":12369,"date":"2019-10-16T16:23:40","date_gmt":"2019-10-16T14:23:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=12369"},"modified":"2019-10-17T16:22:21","modified_gmt":"2019-10-17T14:22:21","slug":"cfi-die-hyper-diplomatische-transkription-und-ihre-erkenntnispotentiale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=12369","title":{"rendered":"CfI: Die (hyper-)diplomatische Transkription und ihre Erkenntnispotentiale"},"content":{"rendered":"<p><!--StartFragment--><\/p>\n\n\n<p><strong>Call for Interest<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>material turn<\/em> hat den editionswissenschaftlichen Diskurs in den Philologien und den umliegenden F\u00e4chern tief durchdrungen, was nicht zuletzt vom <em>digital turn<\/em> der letzten Jahrzehnte zus\u00e4tzlich befeuert wurde. Die informationstechnologisch paradigmatische Trennung von Daten und Pr\u00e4sentation, und die scheinbar vollst\u00e4ndige Entk\u00f6rperlichung des Textes in einer Codierung, die zugleich der exzessiven Befundverzeichnung scheinbar keine Grenzen mehr setzt, lenkt den Blick zur\u00fcck auf die K\u00f6rperlichkeit des Textes und seine mediale Ausformung.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Heute zeigt sich in vielen Editionsprojekten die Tendenz, immer \u00fcberlieferungsn\u00e4here Transkriptionen zu erstellen. Derlei diplomatische oder gar hyperdiplomatische Repr\u00e4sentationsformen k\u00f6nnen beispielsweise pal\u00e4ografisch, linguistisch oder literaturwissenschaftlich motiviert sein sowie in Intensit\u00e4t und Fokus auf makro- oder mikroskripturale Ph\u00e4nomene (Layout vs. Schriftgestaltung, u.\u00e4.) variieren. Das Ziel der Methode scheint in digitalen Editionen aber oftmals das gleiche: Die visuelle Nachahmung der originalen Schriftspur bzw. Dokumenttopografie oder die Konstruktion einer modellgeleiteten Form als schlie\u00dflich edierter und publizierter Text im WWW, wobei die diplomatische Befundaufnahme die Grundlage mehrerer (normalisierender) Pr\u00e4sentationsschichten sein kann.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Was in der Transkription maschinenlesbar und prozessierbar erfasst wird, m\u00fcndet also zun\u00e4chst in einer prim\u00e4r menschen-orientierten Pr\u00e4sentation bzw. in einem typografischen Ausdruck, den man in \u00e4hnlicher Form auch in Druckeditionen erstellen und der Leserschaft darbieten kann. Die durch die Codierung des diplomatischen Befundes entstandenen informationsreichen Daten und ihre analytischen Potentiale bleiben damit aber untergenutzt und die Editionen hinter ihren \u2018digitalen M\u00f6glichkeiten\u2019 zur\u00fcck.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits liegen unausgesch\u00f6pfte Potentiale in quantitativen Analysen des diplomatischen Befundes, beispielsweise in statistischen Auswertungen und Visualisierungen textkritischer Ph\u00e4nomene (z. B. Streichungen, Ersetzungen, u. \u00e4.) oder gestalterischen Ausdrucksformen (z. B. Schriftarten, Schriftformen), die m\u00f6glicherweise zu neuen Erkenntnissen \u00fcber die \u00dcberlieferung f\u00fchren (z.B. Chronologie bzw. Genese von Dokumenten, Schreiberidentifikation, Datierung). Andererseits kann man aus quantitativ-qualitativer Perspektive Kookkurrenzen materiell-visueller Ph\u00e4nomene und anderer Dimensionen von Text analysieren wie etwa den Zusammenhang zwischen Gestaltung und Textgenres (z. B. typografische Dispositive und literarisches Genre) oder zwischen linguistischer Textdimension und materialer Ausdrucksform (z. B. Sprach- und Schriftwechsel). Jenseits dieser konkreten Ans\u00e4tze w\u00e4re sogar an Untersuchungen und Analysen zu denken, die bisher noch nicht einmal in Grundz\u00fcgen erkennbar sind. Vielleicht kann die systematische Untersuchung von skriptografischen Ph\u00e4nomenen, Strukturen und Mustern in Verbindung mit Textsorten, Produktionsweisen oder historischen Bedingungen neue Einblicke in die Genese und Transmission von Texten er\u00f6ffnen und Korrelationen und Abh\u00e4ngigkeiten dieser Dimensionen aufdecken. Neben derlei Verfahren kann eine analytische Perspektive aber auch die Nutzung einer Edition bereichern, z. B. wenn der diplomatische Befund als Index oder Informationsvisualisierung fungiert, \u00fcber den ein materialzentrierter Zugang zu den edierten Quellen entsteht.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p> Der f\u00fcr <strong>5.-7. Februar 2020 <\/strong>geplante Workshop zu Erkenntnispotentialen (hyper-)diplomatischer Transkriptionen wird an der <strong>Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal <\/strong>im Rahmen des <strong>Graduiertenkollegs 2196 \u201cDokument &#8211; Text &#8211; Edition\u201d <\/strong>in Kooperation mit der <strong>Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften<\/strong> und dem <strong>Institut f\u00fcr Dokumentologie und Editorik<\/strong> durchgef\u00fchrt. Die Veranstaltung soll Expert\/innen und Interessierte zusammenf\u00fchren und den Themenkreis durch Pr\u00e4sentationen und Diskussionen zu allgemeinen theoretischen und methodischen Fragen sowie anhand von Fallbeispielen ausleuchten. Das Workshopformat wird durch gemeinsames praktisches Arbeiten an bereits bestehenden Daten in Form eines experimentell gestalteten Hackathons erg\u00e4nzt.  <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Workshop werden Beitr\u00e4ge der folgenden Arten gesucht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Daten, d.h. detaillierte, quellennahe Transkriptionen<\/li><li>Analytische Fragestellungen an diplomatische Transkriptionen, die beispielsweise aus pal\u00e4ografischer, linguistischer, kulturwissenschaftlicher oder literaturwissenschaftlicher Perspektive kommen und algorithmisch zu operationalisieren w\u00e4ren&nbsp;<\/li><li>Theoretische und methodische Ans\u00e4tze, die nicht nur die Befundverzeichnung, sondern (vor allem) auch ihre Analysepotentiale betreffen<\/li><li>Fallbeispiele, d.h. konkrete Editionsprojekte, in denen das analytische Potential diplomatischer Transkriptionen fruchtbar gemacht werden soll<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Interessierte werden gebeten, sich <strong>bis zum 6.11.2019<\/strong> mit einer formlosen Mitteilung (\u00bd Seite Beitragsbeschreibung) bei <strong>Frederike Neuber <\/strong>(neuber@bbaw.de) und\/oder <strong>Patrick Sahle<\/strong> (sahle@uni-wuppertal.de) zu melden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/500px-BUW_Logo.svg_.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12374\" width=\"273\" height=\"82\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/500px-BUW_Logo.svg_.png 500w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/500px-BUW_Logo.svg_-300x90.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/GRK-Logo_blau_rgb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12376\" width=\"254\" height=\"94\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/GRK-Logo_blau_rgb.jpg 782w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/GRK-Logo_blau_rgb-300x111.jpg 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/GRK-Logo_blau_rgb-768x285.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Rastergrafik-4-1024x246.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12386\" width=\"502\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/Rastergrafik-4-1024x246.png 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/Rastergrafik-4-300x72.png 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/10\/Rastergrafik-4-768x184.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call for Interest Der material turn hat den editionswissenschaftlichen Diskurs in den Philologien und den umliegenden F\u00e4chern tief durchdrungen, was nicht zuletzt vom digital turn der letzten Jahrzehnte zus\u00e4tzlich befeuert wurde. 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