{"id":11903,"date":"2019-06-26T06:55:51","date_gmt":"2019-06-26T04:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11903"},"modified":"2019-07-16T12:30:35","modified_gmt":"2019-07-16T10:30:35","slug":"graphik-im-digitalen-raum-2-3-inschriften-und-exemplarsuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11903","title":{"rendered":"Graphik im digitalen Raum (2\/3): Inschriften und Exemplarsuche"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Martin de la Iglesia und Julia R\u00f6ssel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir uns im <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11884\">ersten Teil<\/a> unserer dreiteiligen Reihe zu druck- und anderen graphischen Internet-Ressourcen mit Institutionen und Inhaltserschlie\u00dfung besch\u00e4ftigten, geht es im heutigen zweiten Teil um den Umgang mit Inschriften und um M\u00f6glichkeiten zur sammlungs\u00fcbergreifenden Exemplarsuche.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Inschriften: transkribieren, transliterieren, \u00fcbersetzen?<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"997\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mdlijr3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11904\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr3.png 769w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr3-231x300.png 231w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr3-768x996.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><figcaption> <br>Portr\u00e4t Michelangelos nach Jacopino del Conte aus der Fotothek der Bibliotheca Hertziana.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weit verbreitetes Merkmal von Druckgraphik (aber auch von Zeichnungen) sind Inschriften. Als Textfelder k\u00f6nnen sie in verschiedener Weise in das Bild integriert sein, in unterschiedlicher Beziehung zum Bild stehen, vielf\u00e4ltige Funktionen erf\u00fcllen und sehr umfangreich sein. Bei der digitalen Erschlie\u00dfung von druckgraphischen Werken mit Schriftkomponenten sind mehrere Strategien denkbar:<\/p>\n\n\n\n<p>a) Vollst\u00e4ndige Transkription der Inschrift(en). Dies wird beispielsweise von der Fotothek der Bibliotheca Hertziana praktiziert, die jedes Textfeld eines Blattes einem eigenen Datenfeld zuweist und zus\u00e4tzlich dessen Anbringungsort (MIDAS-Feld 5694) und Art des Textes (5650) angibt (Beispiel: <a href=\"http:\/\/foto.biblhertz.it\/exist\/foto\/obj08003278\">http:\/\/foto.biblhertz.it\/exist\/foto\/obj08003278<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>b) Vollst\u00e4ndiges Ignorieren der Inschrift. Dadurch l\u00e4sst sich beim Digitalisieren gr\u00f6\u00dferer Datenmengen Zeit sparen. So enth\u00e4lt zum Beispiel die Trierer Portr\u00e4tdatenbank Tripota Transkriptionen auf Scans der Karteikarten mit den alten Metadaten, ohne dass diese Transkriptionen in maschinenlesbaren Text \u00fcberf\u00fchrt worden w\u00e4ren (Beispiel: <a href=\"http:\/\/www.tripota.uni-trier.de\/single_picture.php?signatur=121_anon_0001\">http:\/\/www.tripota.uni-trier.de\/single_picture.php?signatur=121_anon_0001<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>c) Ausschnittweises Transkribieren der Inschrift, \u00fcblicherweise nur den Anfang und gegebenenfalls noch das Ende. Diese Herangehensweise ist weniger aufw\u00e4ndig als das vollst\u00e4ndige Transkribieren und signalisiert immer noch die wichtigsten Fakten zur Inschrift wie ihre Sprache oder ihr grunds\u00e4tzliches Vorhandensein. So sind etwa im Virtuellen Kupferstichkabinett jeweils die ersten und letzten ca. 3 W\u00f6rter eines Blattes erfasst (Beispiel: <a href=\"http:\/\/diglib.hab.de?grafik=graph-a1-836b-11\">http:\/\/diglib.hab.de?grafik=graph-a1-836b-11<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich zur vollst\u00e4ndigen Transkription kann die Erschlie\u00dfung des Textes nahezu beliebig aufw\u00e4ndig gestaltet werden. So k\u00f6nnen nichtlateinische Schriftzeichen in lateinische Buchstaben transliteriert werden, fremdsprachige Texte ins Deutsche (bzw. die Sprache der jeweiligen Benutzeroberfl\u00e4che) \u00fcbersetzt und Schreibungen orthographisch normiert werden. Alle drei Ph\u00e4nomene finden sich in der Portr\u00e4tsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel (<a href=\"http:\/\/portraits.hab.de\/\">http:\/\/portraits.hab.de\/<\/a>). Beispielsweise ist beim Werk <a href=\"http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/26865\/\">http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/26865\/<\/a> zun\u00e4chst die Inschrift der rechten Kartusche im Feld \u201cBeschreibung\u201d transkribiert: \u201cHebr. 13. v. 6 | Der Herr ist | mein Helffer, | und will mich | nicht f\u00fcrchten | was solt mir | ein Mensch | thun\u201d. Im selben Datensatz im Feld \u201cBibelvers(e)\/Bibelstelle(n)\/biblische Bildmotive\u201d ist derselbe Text gem\u00e4\u00df einer modernen Bibelausgabe normiert worden zu: \u201cDer Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht f\u00fcrchten; was sollte mir ein Mensch tun (Hebr. 13,6)\u201d. Ein anderes Werk aus derselben Datenbank, <a href=\"http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/10759\/\">http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/10759\/<\/a>, weist eine griechische Inschrift in einem ge\u00f6ffneten Buch auf. Im Beschreibungsfeld ist diese Inschrift zun\u00e4chst transkribiert: \u201c\u039a\u03c5\u03c1\u03b9\u03bf\u03c3 \u03b5\u03bc\u03bf\u03b9 | \\beta\u03bf\u0397\u03b8\u03bf\u03c3, \u03ba\u03b1\u03b9 \u03bf\u03c5 | \\phi\u03bf\\beta\u0397\u03b8\u0397\u03c3\u03bf\u03bc\u03b1\u03b9 | \u03c4\u03b9 \u03c0\u03bf\u03b9\u0397\u03c3\u03b5\u03b9 \u03bc\u03bf\u03b9 | \u03b1\u03bd\u03b8\u03c1\u03c9\u03c0\u03bf\u03c3\u201d. Abgesehen von den Zeichenfolgen \u201c\\beta\u201d und \u201c\\phi\u201d, bei denen es sich wohl um Zeichencodierungsfehler handelt, die m\u00f6glicherweise im Zuge der Retrodigitalisierung der urspr\u00fcnglich gedruckt ver\u00f6ffentlichten Daten entstanden sind, wurden also griechische Buchstaben verwendet. Auf die Transkription folgt unmittelbar im selben Feld in eckigen Klammern eine \u00dcbersetzung ins Deutsche: \u201c[Der HErr ist mein Helfer, und ich werde nicht f\u00fcrchten, was mir ein Mensch tun wird].\u201d Hierbei scheint es sich nicht um eine \u00dcbernahme aus einer deutschen Bibelausgabe zu handeln. Im Feld \u201cBibelvers(e)\/Bibelstelle(n)\/biblische Bildmotive\u201d schlie\u00dflich ist der griechische Text in lateinische Buchstaben \u00fcbertragen: \u201cKyrios emoi boethos, kai ou phobethesomai ti poiesei moi anthropos\u201d.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"575\" height=\"800\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mdlijr4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11905\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr4.png 575w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr4-216x300.png 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 575px) 100vw, 575px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"646\" height=\"800\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mdlijr5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11906\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr5.png 646w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr5-242x300.png 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Inschriften beider Portr\u00e4ts zitieren also dieselbe Bibelstelle, Hebr\u00e4er 13,6. Der Wortlaut dieses Verses ist jedoch in den beiden Datens\u00e4tzen nie identisch, obwohl er in drei bzw. zwei verschiedenen Varianten vorliegt. Eine Volltextsuche nach z.B. \u201cich will mich nicht f\u00fcrchten\u201d findet nur einen der beiden Stiche. Auch eine Suche etwa nach &#8222;Hebr. 13,6&#8220; findet nur das Portr\u00e4t mit der deutschen Inschrift (sowie ein drittes Werk, <a href=\"http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/22671\/\">http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/22671\/<\/a>, bei dem die zitierte Bibelstelle falsch identifiziert worden ist &#8211; es handelt sich um Hebr 13,5). Irref\u00fchrenderweise sind die Inhalte des Bibelversfeldes auch noch mit Hyperlinks versehen, so dass man f\u00e4lschlicherweise annehmen k\u00f6nnte, durch einen Klick darauf zu allen Werken mit demselben Bibelvers zu gelangen. Dies w\u00e4re auch eigentlich ein naheliegendes Anwendungsszenario f\u00fcr die Forschung mit druckgraphischen Inschriften: Man interessiert sich f\u00fcr eine Bibelstelle und deren bildliche Umsetzungen. Bedauerlich nur, wenn sich noch nicht einmal aus einer Datenbank alle darin enthaltenen Drucke mit einer solchen Inschrift ermitteln lassen &#8211; trotz der aufw\u00e4ndigen Erschlie\u00dfung der Inschriften mittels Transkription, Transliteration, \u00dcbersetzung und Normierung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das angef\u00fchrte Beispiel liegt die Probleml\u00f6sung auf der Hand: Nicht die Transkription der Inschriften f\u00fchrt die Werke mit der gew\u00fcnschten Bibelstelle zusammen, sondern ein geeignetes, spezifisches Normierungsinstrument wie Klassifikationen oder kontrollierte Vokabulare. In der Portr\u00e4tsammlung der HAB wurde vers\u00e4umt, dem Datensatz <a href=\"http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/10759\/\">http:\/\/portraits.hab.de\/werk\/10759\/<\/a> mit der griechischen Inschrift die (textexterne) Information mitzugeben, dass es sich um Hebr 13,6 handelt &#8211; da k\u00f6nnen bei der Suche auch die Transliteration und die \u00dcbersetzung nur wenig helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls l\u00e4sst sich an diesem Beispiel ablesen, wie ungemein aufw\u00e4ndig eine derartige Erfassung des Inschrifttextes ist. Allein um sie zu transkribieren (geschweige denn zu \u00fcbersetzen), sind Kenntnisse des Altgriechischen notwendig. Einen solchen Aufwand standardm\u00e4\u00dfig zu fordern, ginge an der Realit\u00e4t der Erschlie\u00dfung f\u00fcr Graphikdatenbanken vorbei, da hierf\u00fcr meist nicht das Personal eingesetzt werden kann, das \u00fcber entsprechend breite und tiefe Fachkenntnisse verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachteilig an der Art der Inschriftenerfassung in der Portr\u00e4tsammlung der HAB (und anderen Ressourcen) ist auch ihre Datenmodellierung, denn die Transkription steht mit anderen Informationen zusammen in einem einzigen Datenfeld, \u201cBeschreibung\u201d. Stichwortsuchen in diesem Feld finden also auch W\u00f6rter wie \u201cLehnstuhl\u201d und \u201cBuch\u201d, obwohl diese nicht Teil der Inschrift sind. In anderen Datenbanken wie der bereits erw\u00e4hnten Fotothek der Bibliotheca Hertziana sind zwar die Transkriptionen in separaten Feldern erfasst, doch bringt dies bei der Recherche keinen Nutzen, wenn eben jene Transkriptionsfelder nicht gezielt durchsuchbar gemacht werden (<a href=\"http:\/\/foto.biblhertz.it\/exist\/foto\/search.html\">http:\/\/foto.biblhertz.it\/exist\/foto\/search.html<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich muss man sich &#8211; was sich erneut gut am Beispiel aus der Portr\u00e4tsammlung der HAB veranschaulichen l\u00e4sst &#8211; dar\u00fcber im Klaren sein, dass durch das reine Wiedergeben des Inschrifttextes noch nichts \u00fcber dessen Beziehung zum Bild, dem ja das haupts\u00e4chliche Interesse im Rahmen einer Graphikdatenbank gilt, ausgesagt wird. So sind f\u00fcr die zuvor formulierte Beispielforschungsfrage, wie der Bibelvers Hebr 13,6 im Medium der Graphik bildlich umgesetzt wird, die beiden Stiche aus der HAB-Portr\u00e4tsammlung wenig relevant, da es sich um Portr\u00e4ts handelt, also das Bild nicht die Inschrift illustriert. F\u00fcr eine in diesem Zusammenhang sinnvolle Suchanfrage m\u00fcsste zus\u00e4tzlich zur Transkription der Inschrift die Bild-Text-Relation erfasst sein. Ein erster Schritt in diese Richtung k\u00f6nnte das MIDAS-Feld 5650 (\u201cArt des Textes\u201d) sein, wie es z.B. in der Fotothek der Bibliotheca Hertziana verwendet wird &#8211; auch wenn dort erneut das Problem besteht, dass dieses Feld nicht gezielt durchsuchbar ist. Dadurch k\u00f6nnte man prinzipiell Inschriften in Signaturen, Widmungen, Titel, Motti usw. unterscheiden. Um wirklich n\u00fctzlich zu sein, bed\u00fcrfte es allerdings der weiteren Standardisierung des Feldinhaltes z.B. durch ein kontrolliertes Vokabular.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts all dieser Probleme im Zusammenhang mit graphischen Inschriften stellt sich die Frage, ob der Aufwand einer Transkription \u00fcberhaupt gerechtfertigt ist. Es darf allerdings nicht unbeachtet bleiben, dass das reine Transkribieren und Volltextdurchsuchbarmachen einer Inschrift, also ohne weitergehendes Erschlie\u00dfen, auch ein Vorteil sein kann: Was die Interpretation des Textes betrifft, also seines Inhalts oder seiner Funktion, ist der\/die Datenbanknutzer\/-in nicht abh\u00e4ngig von der Meinung der erschlie\u00dfenden Person, sondern kann (bzw. muss) sich selbst eine Meinung bilden. So wird der Charakter der Rechercheergebnisse von <em>precision <\/em>hin zu <em>recall <\/em>verschoben, also eine bessere Vollst\u00e4ndigkeit erreicht auf Kosten von mehr irrelevanten Treffern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zu untersch\u00e4tzen ist in diesem Zusammenhang auch die N\u00fctzlichkeit von Inschriften hinsichtlich der Identifizierung von Werken. Werktitel sind oft nicht im Werk selbst enthalten, werden also erst nachtr\u00e4glich oder parallel zum Produktions- oder Disseminationsprozess gefunden oder gar fingiert. Diese Titel sind dann in der Regel sprachabh\u00e4ngig sowie immer Ergebnis eines subjektiven Interpretationsaktes. Dagegen ist die Zuordnung einer Inschrift zu einem graphischen Werk &#8211; sofern nicht Druckplatte oder Blatt ver\u00e4ndert wurden &#8211; meist objektiv und eindeutig m\u00f6glich (wenn auch nicht <em>ein<\/em>eindeutig, da derselbe Text in mehreren verschiedenenen Werken verwendet werden kann). So k\u00f6nnte man beispielsweise durch eine Volltextsuche nach dem Inschriftentext \u201cMICHAEL ANGELVS BONAROTA\u201d wom\u00f6glich besser (d.h. pr\u00e4ziser) Exemplare der oben abgebildeten Michelangelo-Portr\u00e4tgraphik finden, als durch den Versuch, eine Suchanfrage zu konstruieren, welche alle m\u00f6glichen Werktitel, also Namensformen des Portr\u00e4tierten wie \u201cMiguel \u00c1ngel\u201d, \u201cMichel-Ange\u201d, mit oder ohne \u201cBuonarotti\u201d usw., abdeckt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"863\" height=\"871\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11908\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1.png 863w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1-150x150.png 150w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1-297x300.png 297w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1-768x775.png 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr6-1-50x50.png 50w\" sizes=\"auto, (max-width: 863px) 100vw, 863px\" \/><figcaption> <br>Das bereits erw\u00e4hnte Michelangelo-Portr\u00e4t in der Biblioteca Digital Hisp\u00e1nica.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich gilt es bei der Frage nach der Transkription von Inschriften zu ber\u00fccksichtigen, dass einerseits Text-Bild-Beziehungen in der Kunstgeschichte zu einem immer wichtigeren Forschungsgegenstand geworden sind, und dass andererseits Graphik auch f\u00fcr andere wissenschaftliche Disziplinen ein relevantes Medium sein kann, bei dem nicht das Bild, sondern der Text im Vordergrund steht, n\u00e4mlich die Sprach- und Literaturwissenschaften. Um graphisches Material in diesem Sinne anschlussf\u00e4hig zu machen, ist es wichtig, Inschriften m\u00f6glichst disziplinagnostisch zu erschlie\u00dfen, und dies gelingt wohl am ehesten durch deren Transkription.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sammlungs\u00fcbergreifende Exemplarsuche<\/h2>\n\n\n\n<p>Druckgraphiken sind Bild<em>werke<\/em>, die in unterschiedlichen <em>Expressionen<\/em>, <em>Manifestationen<\/em> und vielen <em>Exemplaren<\/em> vorliegen k\u00f6nnen (zu den Kategorien von FRBR (Functional Requirements for Bibliographic Records) siehe: <a href=\"https:\/\/www.ifla.org\/best-practice-for-national-bibliographic-agencies-in-a-digital-age\/node\/8915\">https:\/\/www.ifla.org\/best-practice-for-national-bibliographic-agencies-in-a-digital-age\/node\/8915<\/a>). So ist es f\u00fcr Kupferstiche nicht un\u00fcblich, dass von der Druckplatte verschiedene Zust\u00e4nde (Expressionen), also des Bildes (Werk) existierten, von denen Probedrucke (Exemplare) hergestellt wurden, die die Entwicklung der Arbeit belegen. Ein weiteres Beispiel sind Kopien: Der Kupferstich \u201cDie Pilger\u201d ist laut dem Datensatz der Albertina im Graphikportal (<a href=\"https:\/\/www.graphikportal.org\/document\/gpo00079698\">https:\/\/www.graphikportal.org\/document\/gpo00079698<\/a>) zwischen 1503 und 1513 von Lucas van Leyden geschaffen worden (<a href=\"http:\/\/d-nb.info\/gnd\/1078120153\">http:\/\/d-nb.info\/gnd\/1078120153<\/a>) und wurde im Nachgang von Marcantonio Raimondi kopiert. Die Kopie ist damit eine weitere Expression des Werkes \u201cDie Pilger\u201d und wird im Kupferstich manifest. Ein Exemplar davon befindet sich z.B. in der Graphischen Sammlung der ETH in Z\u00fcrich (<a href=\"https:\/\/www.graphikportal.org\/document\/gpo00226467\">https:\/\/www.graphikportal.org\/document\/gpo00226467<\/a>). Je nach Forschungsinteresse kann es notwendig sein, Exemplare einer druckgraphischen Manifestation in mehreren Sammlungen ausfindig zu machen. Welche M\u00f6glichkeiten der digitalen sammlungs\u00fcbergreifenden Recherche gibt es also?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"789\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/mdlijr7-1024x789.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11909\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr7-1024x789.png 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr7-300x231.png 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr7-768x591.png 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2019\/06\/mdlijr7.png 1035w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es zumindest f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Institutionen mittlerweile \u00fcblich ist, ihre graphischen Best\u00e4nde in bestimmtem Umfang digitalisiert zu haben, wird die Verbreitung der so erzeugten Daten unterschiedlich angegangen. Metadatenbanken wie Europeana (<a href=\"https:\/\/www.europeana.eu\">https:\/\/www.europeana.eu<\/a>) oder die Deutsche Digitale Bibliothek (<a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/\">https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/<\/a>) bieten sich f\u00fcr einen ersten Zugang an. Wie oben bereits erw\u00e4hnt, steht mit dem Graphikportal (<a href=\"https:\/\/www.graphikportal.org\/\">https:\/\/www.graphikportal.org\/<\/a>) sogar ein spezialisierter Zugriff auf die Daten mehrerer Graphischer Sammlungen zur Verf\u00fcgung. Auf der Suche nach dem Kupferstich \u201cAdam und Eva\u201d von Albrecht D\u00fcrer &nbsp;kann man beispielsweise in allen drei erw\u00e4hnten Portalen zu diversen Exemplaren dieses Werkes finden, allerdings ohne die M\u00f6glichkeit einer B\u00fcndelung der Ergebnisse zu haben. (Zur Problematik der Bildsuche siehe auch Gasser\/R\u00f6ssel: <a href=\"https:\/\/journals.ub.uni-heidelberg.de\/index.php\/nkf\/article\/view\/34553\/33847\">https:\/\/journals.ub.uni-heidelberg.de\/index.php\/nkf\/article\/view\/34553\/33847<\/a>.) Welche Sammlungen ihre Best\u00e4nde \u00fcber welche Portale zug\u00e4nglich machen, erf\u00e4hrt die Nutzerin \/ der Nutzer in der Regel \u00fcber separate Einzelrecherchen, es ist &nbsp;also nur eine bedingt planvolle Vorgehensweise m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als problematisch erweist sich bei der Suche auch die Titelansetzung, die u.U. abweichen kann. Das Blatt des Berliner Kupferstichkabinetts etwa ist in der deutschsprachigen Version von Google Arts &amp; Culture als \u201cDer S\u00fcndenfall\u201d zu finden (<a href=\"https:\/\/g.co\/arts\/RbWmsQ8nasxFHziJ9\">https:\/\/g.co\/arts\/RbWmsQ8nasxFHziJ9<\/a>). Eine andere M\u00f6glichkeit, nach Exemplaren sammlungs\u00fcbergreifend zu suchen, k\u00f6nnen Werknormdaten sein, die allerdings bislang nur in begrenztem Rahmen f\u00fcr druckgraphische Werke angelegt werden und &nbsp;zuk\u00fcnftig noch erweitert werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) ist der Normdatensatz zu den bereits erw\u00e4hnten \u201cPilgern\u201d Lucas van Leydens (<a href=\"http:\/\/d-nb.info\/gnd\/1078120153\">http:\/\/d-nb.info\/gnd\/1078120153<\/a>). Hier werden verzeichnet: ein persistenter Link zum Datensatz, der Name des Autors, der Werktitel und ggf. alternative Titel, Quellen zum Werk, in unserem Fall einschl\u00e4gige Handb\u00fccher wie Bartschs Peintre Graveur, das Herkunftsland, eine Einordnung in die Systematik der Deutschen Nationalbibliothek und der Typ dessen was beschrieben wird, &nbsp;hier also ein Werk. In unserem Fall ist als Erl\u00e4uterung noch die Definition als Kupferstich hinterlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 2013 wurde beim Roundtable &#8222;Kritische Massen \u2013 Zur Anschlussf\u00e4higkeit digitaler Bildbest\u00e4nde an die aktuelle Kunsthistorische Forschung&#8220; von kunsthistorischer Seite das Ziel formuliert, die Menge an Normdaten zu Werken der Bildenden Kunst zu erh\u00f6hen (<a href=\"http:\/\/www.kunstgeschichte-ejournal.net\/412\/1\/Round_Table_Marburg_GS.pdf\">http:\/\/www.kunstgeschichte-ejournal.net\/412\/1\/Round_Table_Marburg_GS.pdf<\/a>). Hintergrund dessen ist, dass prinzipiell Werknormdaten als solche alle der vier FRBR-Ebenen beschreiben k\u00f6nnen. Als Ziel wurde hier die hierarchische bzw. logische Verkn\u00fcpfung mehrerer Normdaten zu einem \u00fcbergeordneten immateriellen Werk formuliert (<a href=\"https:\/\/www.vdb-online.org\/veranstaltungen\/718\/bracht_foto_marburg.pdf\">https:\/\/www.vdb-online.org\/veranstaltungen\/718\/bracht_foto_marburg.pdf<\/a>). Kompliziert macht eine Diskussion \u00fcber Werknormdaten einerseits die Begrifflichkeit, die an sich schon auf unterschiedliche Weise interpretiert werden kann. Hinzu kommt au\u00dferdem der Umstand, dass bei Kunstwerken die Trennsch\u00e4rfe zwischen bzw. das Zusammenfallen von FRBR-Entit\u00e4ten sehr verschieden ausgepr\u00e4gt sein kann. Das hei\u00dft der Normdatensatz f\u00fcr eine Zeichnung beschreibt ein Werk zugleich auf gedanklicher Ebene, benennt aber auch eine Manifestation, sowie einen unikalen Gegenstand (Exemplar). Bei einer Druckgraphik hingegen muss, wie oben beschrieben, eine Beschreibung und damit auch die Erfassung \u00fcber Normdatens\u00e4tze deutlich vielschichtiger und feingliedriger sein. Die Erfassung von Werken der Kunst im Sinne dieser Programmatik bedarf daher langfristiger und intensiver Koordination und Kommunikation zwischen Institutionen, deren Aussicht auf Erfolg in Frage gestellt werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Werknormdaten k\u00f6nnen allerdings auch nur jene Normdaten verstanden werden,die die h\u00f6chste hierarchische Schicht von FRBR beschreiben, also das \u00fcbergeordnete gedankliche Werk. Auch hier besteht jedoch erheblicher Diskussionsbedarf bei der klassifikatorischen Einordnung von mehrschichtigen Werken, wie etwa druckgraphische Folgen, die als Mappenwerke unter einem Gesamttitel erschienen sind, aber auch als Einzelbl\u00e4tter gesammelt werden, zu denen wom\u00f6glich noch zeichnerische Vorlagen als separate Werke existieren. Mittlerweile wird den beschriebenen Bestrebungen auch in Form institutions\u00fcbergreifender Projekte wie GND4C (<a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/x\/dIf9Bw\">https:\/\/wiki.dnb.de\/x\/dIf9Bw<\/a>) nachgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beiden Ans\u00e4tzen bzw. Angeboten, Metadatenbanken und Werknormdaten, liegt die Problematik der mangelnden Standardisierung in der digitalen Sammlungsdokumentation zugrunde. Auf diese Weise erzeugte Unsch\u00e4rfen werden wohl nie g\u00e4nzlich zu umgehen sein, schon allein, weil die institutionsinterne Nutzung andere Anforderungen an die erzeugten Daten stellt als die Verbreitung durch Aggregatoren und die Recherche des Fachpublikums.<\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11914\">Teil 3<\/a> erscheint am Freitag, 28. Juni.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Martin de la Iglesia ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt \u201cKommentierte digitale Edition der Reise- und Sammlungsbeschreibungen Philipp Hainhofers (1578-1647)\u201d an der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel sowie Promotionsstudent im Fach Kunstgeschichte an der Universit\u00e4t Heidelberg.<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Julia R\u00f6ssel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt \u201cKupferstichkabinett Online\u201d, das ebenfalls an der HAB angesiedelt ist, und befasst sich im Rahmen ihrer Promotion mit Transformationsprozessen bei der Digitalisierung von Graphischen Sammlungen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martin de la Iglesia und Julia R\u00f6ssel Nachdem wir uns im ersten Teil unserer dreiteiligen Reihe zu druck- und anderen graphischen Internet-Ressourcen mit Institutionen und Inhaltserschlie\u00dfung besch\u00e4ftigten, geht es im heutigen zweiten Teil um den Umgang mit Inschriften und um M\u00f6glichkeiten zur sammlungs\u00fcbergreifenden Exemplarsuche. 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