{"id":11795,"date":"2019-06-25T15:55:33","date_gmt":"2019-06-25T13:55:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11795"},"modified":"2019-06-25T16:11:30","modified_gmt":"2019-06-25T14:11:30","slug":"dhd-2019-das-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=11795","title":{"rendered":"DHd 2019 &#8211; Das Interview"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am Donnerstag, den 28.03.2019 hat sich Prof. Dr. Christof Sch\u00f6ch, Vorsitzender des Verbandes Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) anl\u00e4sslich der Jahreskonferenz auf dieser bereit erkl\u00e4rt, ein kurzes Interview zur Verwertung in einem <a href=\"http:\/\/titus.fkidg1.uni-frankfurt.de\/database\/titusinx\/DHd-2019\/VideoSummaryDHd2019.mp4\">kurzen Film zur Konferenz<\/a> zu geben. Da im Konferenzfilm nur Ausschnitte davon gezeigt werden, m\u00f6chten wir hier das Interview als Transkript (bei dem Satzzeichen eingef\u00fcgt und kleine \u00c4nderungen, wie das Weglassen von Interjektionen zur besseren Lesbarkeit vorgenommen wurden) zur Verf\u00fcgung stellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle\nDaten stehen unter CC BY  Lizenz. Zur Zitation geben Sie bitte den\nDHd-Blog an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<em><strong>Frage 1:<\/strong><\/em><em> Was verbirgt sich f\u00fcr Sie hinter dem\nBegriff Digitale Geisteswissenschaften?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage nach dem Begriff oder der Definition der digitalen Geisteswissenschaften ist ein Klassiker des Diskurses \u00fcber die Digital Humanities und deswegen w\u00fcrde ich auch gern mit einer klassischen Antwort beginnen, n\u00e4mlich: Die digitalen Geisteswissenschaften sind ein Arbeitsfeld an der Schnittstelle von Informatik und Geisteswissenschaften. Man kann aber sehr viele Antworten auf diese Frage geben, auch weniger klassische; ich empfehle immer gerne die Webseite <a href=\"https:\/\/whatisdigitalhumanities.com\/\">whatisdigitalhumanities.com<\/a> bei der man zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Definitionen sehen kann. Jedes Mal wenn man die Seite neu l\u00e4dt, bekommt man eine andere aus einer Auswahl von 817 Definitionen angezeigt. Vor allem aber ist mir wichtig zu betonen, dass die digitalen Geisteswissenschaften eine Chance sind f\u00fcr die Geisteswissenschaften ihr Methodenrepertoire zu erweitern und eine Chance sind f\u00fcr die Informatik ihren Gegenstandsbereich sozusagen zu erweitern und neue komplexe vieldeutige Gegenst\u00e4nde aus den Geisteswissenschaften zu entdecken und mit ihren Methoden zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage\n2:<\/strong><\/em><em> Wie wichtig sind solche Konferenzen, besonders im\nBereich der Digitalen Geisteswissenschaften und sehen Sie\nUnterschiede zu anderen internationalen Konferenzen und Tagungen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube die Bedeutung der Konferenz f\u00fcr die\nCommunity der digitalen Geisteswissenschaften im deutschsprachigen\nRaum ist tats\u00e4chlich kaum zu untersch\u00e4tzen [Anm. der Red.: <em>gemeint\nwar nat\u00fcrlich &#8218;kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen&#8216;<\/em>]. Die Konferenz ist ein\nKristallisationspunkt f\u00fcr solche Community-Building Effekte auch\ndurch die Regelm\u00e4\u00dfigkeit: jetzt schon zum sechsten Mal. Sie ist\ngleichzeitig auch ein Schaufenster f\u00fcr die Community sowohl intern,\nalso an andere Kollegen die sich auch schon als Teil der Community\nverstehen, als auch eben an neue Kolleginnen und Kollegen, die\nvielleicht noch nicht Mitglied im DHD Verband sind, aber neugierig\nsind auf das was hier passiert und sich das einmal anschauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist mir beim Thema Community-Building aber auch, dass die Konferenz nicht die einzige Aktivit\u00e4t des DHd Verbands ist, die f\u00fcr diese Community zentral ist, sondern dass ganz wichtig auch die Arbeitsgruppen des DHD Verbands sind, wo sich spezifischere speziellere Communities, Sub-Communities finden und bilden k\u00f6nnen. Es gibt ungef\u00e4hr zehn solcher Arbeitsgruppen zu Themen wie digitale Rekonstruktion, Curriculums-Debatten zu Film und Video als Analysegegenstand oder auch zu Datenzentren.  <\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage 3:\u00a0<\/strong><\/em><em>Welcher Bereich innerhalb der Digital Humanities interessiert Sie pers\u00f6nlich am meisten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mein gr\u00f6\u00dftes pers\u00f6nliches Interesse im Bereich\nder Digital Humanities liegt ziemlich klar im Bereich der\nquantitativen Verfahren der Textanalyse f\u00fcr\nliteraturwissenschaftliche und literaturhistorische Fragestellungen.\nDas hat auch etwas mit meinem Hintergrund zu tun. Ich bin\nLiteraturwissenschaftler und verstehe mich eben auch als digitaler\nLiteraturwissenschaftler, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht\nneugierig bin auf andere Ans\u00e4tze, die au\u00dferhalb dieses Bereichs\nstehen und gerade daf\u00fcr ist die DHD Konferenz eine ganz wunderbare\nGelegenheit zu sehen was sich in anderen Bereichen tut.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage\n4:<\/strong><\/em><em> Haben Sie hierzu bereits Veranstaltungen auf der DHd\nbesucht bzw. sich vernetzen k\u00f6nnen oder werden Sie dies tun?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich habe bereits heute Vormittag\nVeranstaltungen besucht, Sessions besucht, die f\u00fcr dieses Thema\nrelevant sind. Eine Session zu Corpus-Building in den Digital\nHumanities sowohl aus linguistischer als auch aus\nliteraturwissenschaftlicher Perspektive und eine Session, die sich\nmethodisch an Dinge anschlie\u00dft, die mir sehr vertraut sind, aber das\nauf neue nicht textuelle Gegenst\u00e4nde anwendet: eine Session zur\nvisuellen Stilometrie, die also genau dieses multimodale multimediale\nThema aufgenommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage\n5:<\/strong><\/em><em> Wie beurteilen Sie das\ndiesj\u00e4hrige Konferenzthema multimedial &amp; multimodal in Bezug auf\ndie momentane gesellschaftliche Entwicklung im Bereich\nDigitalisierung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte das Rahmenthema der Konferenz multimedial &amp; multimodal f\u00fcr sehr relevant und sehr zeitgem\u00e4\u00df. Wir haben uns sehr gefreut, dass dieses Thema vorgeschlagen wurde, weil wir eben sehen, dass die Digitalisierung sowohl in der Wissenschaft als auch in der Gesellschaft sich l\u00e4ngst nicht mehr nur auf Text bezieht, sondern eben andere Medien, andere Modalit\u00e4ten des kulturellen Ausdrucks einschlie\u00dft: Bilder, Filme, Audiobjekte und dass das hier programmatisch in den Vordergrund gestellt wird finde ich sehr sch\u00f6n und sehr richtig.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage\n6:<\/strong><\/em><em> Gegeben eine relativ geringe Beteiligung von\nWissenschaftlern aus dem nur in Minderheitengebieten\ndeutschsprachigen Ausland und der Schweiz, was k\u00f6nnte man tun, um\ndie DHd in Zukunft f\u00fcr diese Teilnehmergruppen noch attraktiver zu\ngestalten und Beitragszahlen wie die aus \u00d6sterreich zu erreichen? <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFrage nach den Digital Humanities Communities in L\u00e4ndern oder\nRegionen, in denen Deutsch keine Mehrheitssprache oder nicht die\ndominante Sprache ist, ist nat\u00fcrlich durchaus eine Herausforderung\nauch f\u00fcr den Verband und f\u00fcr die Community. Ich k\u00f6nnte mir sehr\ngut vorstellen, dass man die DHd Konferenz eben auch mal in\nKooperation mit einem Land wie Belgien, Luxemburg oder einer Region\nwie S\u00fcdtirol organisiert und so die Konferenz in diese Gebiete\ntr\u00e4gt. Gleichzeitig glaube ich, dass wir mit der aktuellen\nSprachpolitik bei der Konferenz gut aufgestellt sind, die eben\nvorsieht, dass man Beitr\u00e4ge auch auf Englisch einreichen kann oder\nauch auf anderen Sprachen, dass aber erwartet wird, dass der Vortrag\nauf Deutsch gehalten wird, weil eben die Mehrheit der Anwesenden doch\nDeutsch als erste Sprache sprechen. Gleichzeitig kann man durch den\nenglischen Abstract, der ja ver\u00f6ffentlicht wird trotzdem die\ninternationale Sichtbarkeit f\u00fcr sein Thema und f\u00fcr seine Arbeiten\nherstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Frage\n7:<\/strong><\/em><em> und zum Schluss:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn\nSie 3 Eigenschaften nennen m\u00fcssten, die Digitale\nGeisteswissenschaftler positiv von anderen Forschenden abgrenzen,\noder die sie sogar mitbringen sollten, um in diesem Bereich\nerfolgreich zu sein &#8212; sofern es solche Eigenschaften gibt &#8212; welche\nw\u00e4ren das?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ndenke schon, dass es Eigenschaften gibt, die f\u00fcr Forschende in den\nDigital Humanities n\u00fctzlich sind und die uns auch bis zu einem\ngewissen Punkt auszeichnen. Gleichzeitig w\u00fcrde ich sagen, dass man\nnat\u00fcrlich nie fertig ist mit der Arbeit an sich, an diesen\nEigenschaften, sondern immer an sich arbeiten kann. Diese\nEigenschaften sind meiner Meinung nach mindestens die folgenden 3,\nn\u00e4mlich Offenheit. Damit meine ich sowohl Open, im Sinne von Open\nAccess, Open Source, Open Data als auch Offenheit in der\nKommunikation, Offenheit der Community, Durchl\u00e4ssigkeit der\nCommunity, eben Offenheit f\u00fcr neue Ideen, f\u00fcr neue Personen.\nAu\u00dferdem glaube ich, dass Neugier eine ganz wesentliche Eigenschaft\nvon digitalen Geisteswissenschaftlern sein sollte und im \u00dcbrigen von\nWissenschaftlern allgemein, hier w\u00fcrde ich also nicht sagen, dass\ndas etwas Besonderes ist, aber \u00fcber den Tellerrand zu schauen, in\nandere Disziplinen reinzuschauen, eben auch als Informatikerin oder\nInformatiker in die Geisteswissenschaften zu schauen, als\nGeisteswissenschaftlerin oder Geisteswissenschaftler in die\nInformatik zu schauen, das sind glaube ich schon wichtige\nEigenschaften und zuletzt, das ist dann doch etwas Spezifisches f\u00fcr\ndie Digital Humanities: die Lust auf Teamarbeit, auf arbeitsteilige\nArbeitsprozesse in denen verschiedene Team-Mitglieder verschiedene\nAspekte beitragen und dann gemeinsam zu einer L\u00f6sung kommen, die man\nalleine in einer Person nicht h\u00e4tte leisten k\u00f6nnen. Diese 3\nEigenschaften Offenheit, Neugier, Teamf\u00e4higkeit, die halte ich f\u00fcr\nwichtig und f\u00fcr w\u00fcnschenswert und f\u00fcr auch durchaus entwickelt in\nunserem Feld, aber eben auch immer f\u00fcr verbesserungsf\u00e4hig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag, den 28.03.2019 hat sich Prof. Dr. Christof Sch\u00f6ch, Vorsitzender des Verbandes Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) anl\u00e4sslich der Jahreskonferenz auf dieser bereit erkl\u00e4rt, ein kurzes Interview zur Verwertung in einem kurzen Film zur Konferenz zu geben. 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