{"id":1122,"date":"2012-11-27T17:23:45","date_gmt":"2012-11-27T16:23:45","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=1122"},"modified":"2012-11-28T20:55:52","modified_gmt":"2012-11-28T19:55:52","slug":"mal-wieder-und-immer-noch-digitized-vs-digital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=1122","title":{"rendered":"Mal wieder und immer noch: Digitized vs. Digital"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"NeDiMAH-Startseite\" href=\"http:\/\/www.nedimah.eu\/\" target=\"_blank\">NeDiMAH<\/a>, das \u201eNetwork for Digital Methods in the Arts and Humanities\u201c enth\u00e4lt unter anderen eine <a title=\"Na,der Link wird aber wohl nicht lange halten ...\" href=\"http:\/\/drupal.p164224.webspaceconfig.de\/workgroups\/scholarly-digital-editions\" target=\"_blank\">Arbeitsgruppe zu \u201eScholarly Digital Editions\u201c<\/a>. Die erste Veranstaltung (ein \u201eExpert Meeting and Workshop\u201c) zu diesem Themenkomplex hatte laut <a title=\"... was f\u00fcr furchtbare Adressen! Eine Sammeladresse f\u00fcr alle Calls? ...\" href=\"http:\/\/drupal.p164224.webspaceconfig.de\/calls-for-papers\" target=\"_blank\">Call<\/a> einen Schwerpunkt in der definitorischen Grundfrage: Was ist eigentlich eine \u201edigitale Edition\u201c?<\/p>\n<p>Nachdem ich mich mit dieser Frage nun auch schon seit <a title=\"Alter Kram von 1997, aber hey: seit 15 Jahren ein unver\u00e4nderter, stabiler Link\" href=\"http:\/\/www.uni-koeln.de\/~ahz26\/dateien\/thesen.htm\" target=\"_blank\">15 Jahren<\/a> besch\u00e4ftige, sie in meiner <span title=\"Wird nun wirklich bald (Jan\/Feb 2013) gedruckt erscheinen\">Dissertation<\/span> einigerma\u00dfen l\u00e4nglich ausgewalzt habe und meine eigene Definition Grundlage meines <a title=\"Catalog on Scholarly Digital Editions\" href=\"http:\/\/www.digitale-edition.de\/\" target=\"_blank\">Katalogs digitaler Editionen<\/a> ist, war ich froh, sie nun auch einmal im Expertenkreis zur Diskussion stellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentation zum Vortrag findet man <a title=\"Meine Pr\u00e4sentation vom 21.11. Ohne Kommentare vielleicht nicht unmittelbar verst\u00e4ndlich.\" href=\"http:\/\/prezi.com\/mdt8efbe3o3a\/copy_of_nedimah_presentation\/\" target=\"_blank\">als und bei prezi<\/a>, ich fasse sie hier nicht noch einmal zusammen. Nur ein Punkt, der eigentlich ein Nebenaspekt ist, soll hier aufgegriffen werden, weil ich mich frage, ob diese Diskussion nicht auch in anderen Bereichen der Digital Humanities produktiv gef\u00fchrt wird oder werden kann\u00a0<span title=\"Gedankenstrich, nicht Bindestrich. Immer sch\u00f6n aufpassen!\">\u2013<span> und insofern keine Digitale-Editionen-Spezialdiskussion ist:<\/span><\/span><\/p>\n<p>Offensichtlich wird die Digitale Edition sinnvollerweise im Aufgreifen der traditionellen Editorik definiert. Und dann in Abgrenzung zu ihr. Hier entsteht aber ein Problem: wenn eine gedruckte Edition einfach digitalisiert wird, m\u00fcsste man dann nicht von einer digitalen Edition sprechen? Der normale Gebrauch der deutschen Sprache legt dies zun\u00e4chst nahe. Es ist geradezu schwierig, dem folgenden Satz wiedersprechen zu wollen: \u201eEine digitalisierte Edition ist eine digitale Edition\u201c. Trotzdem muss es getan werden und m\u00fcssen wir akademischen Klugschei\u00dfer der allgemeinen Sprachlogik wohl ein wenig <del>Gewalt antun<\/del> Widerstand leisten. Denn wie ich <a title=\"Ich \u00fcber Transmedialisierung\" href=\"http:\/\/www.degruyter.com\/view\/j\/EDIT.2010.24.issue-1\/9783110223163.0.23\/9783110223163.0.23.xml\" target=\"_blank\">andernorts<\/a> schon ausgef\u00fchrt habe, liegt der Kern der Wandlungen in der Editorik (und den Geisteswissenschaften insgesamt?) nicht in einem Wandel der Werkzeuge und Medien &#8211; sondern in einer Bewegung hin zur <span title=\"Wann habe ich dieses Konzept eigentlich eingef\u00fchrt? Laut Google sp\u00e4testens 2008 ...\">Transmedialisierung<\/span>. Dies f\u00fchrt dazu, dass die mediale <em>Pr\u00e4sentation<\/em> &#8211; ob im Buchdruck oder digital &#8211; nicht \u201ewesentlich\u201c ist. Das wiederum bedeutet, dass eine \u201edigitale Edition\u201c nicht einfach dadurch definiert ist, dass sie digital vorliegt. Das Digitale ist eine notwendige, aber keine <a title=\"Hinreichend: Wissenschaftliche Edition mit digitalem Paradigma bzw. Methodik\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hinreichende_Bedingung\" target=\"_blank\">hinreichende Bedingung<\/a>. Es entsteht das quasi-definitorische Statement:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eEine digitalisierte Edition ist (noch lange) keine digitale Edition.\u201c<\/p>\n<p>Dies ist das Gegenst\u00fcck zu dem positiven Definitionsbaustein aus der gegens\u00e4tzlichen Richtung:<\/p>\n<p style=\"text-align: center; margin-left: 50px; mrgin-right: 50px;\">\u201eEine digitale Edition kann nicht ohne substanzielle Verluste an Inhalten oder Funktionalit\u00e4ten gedruckt werden.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/digitized-digital.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1123\" title=\"digitized is not digital\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/digitized-digital.png\" alt=\"\" width=\"1070\" height=\"422\" \/><\/a><br \/>\nDiese Definition ist zun\u00e4chst gut, weil sie die Spezifika der digitalen Edition in den Vordergrund stellt. Leider ist sie nicht besonders scharf, weil man sich lange dar\u00fcber wird streiten k\u00f6nnen, was \u201esubstanziell\u201c ist. Der Ansatz wurde in der Diskussion dann auch an genau diesem Punkt hinterfragt: Bieten nicht schon digitalisierte Editionen einen funktionalen Mehrwert, wenn man sie z.B. per Knopfdruck durchsuchen kann? Hm, ja, offensichtlich muss es eine Schwelle geben, die \u00fcberschritten werden muss, um davon reden zu k\u00f6nnen, dass es sich bei digitalen Editionen um \u201eandere\u201c Editionen handelt, als die gedruckten Editionen wie wir sie kennen. Diese Schwelle brauchen wir auch deshalb, weil digitale Editionen aus digitalisierten Editionen sehr wohl \u201eherauswachsen\u201c k\u00f6nnen. Viele digitale Editionen beginnen mit der Digitalisierung bereits gedruckt vorliegender Editionen. Ab einer bestimmten Ausbau- und Umbaustufe wird man sie dann aber doch als \u201edigitale Editionen\u201c bezeichnen wollen. Diese Schwelle ist zun\u00e4chst &#8211; wie oben angedeutet &#8211; durch Inhalte und Funktionen bestimmt. Hinter dem begrifflichen Wechsel und hinter der Beschreibung von Eigenschaften muss aber letztlich ein konzeptioneller Unterschied stehen. Die digitale Edition ist durch ein eigenes Theoriegeb\u00e4ude und durch eine eigene Methodik bestimmt. Sie folgt einem \u201edigitalen Paradigma\u201c, zu dem eben Konzepte wie Transmedialisierung, abstrakte Modellierung, Daten-Orientierung, Multitext, Prozesshaftigkeit, Transparenz, besere Zug\u00e4nglichkeit oder vielleicht auch Soziabilit\u00e4t geh\u00f6ren. Wenn ich die Stimmung in der Diskussion richtig gedeutet habe, scheint das auch weitgehend unterst\u00fctzt zu werden. Zum einen wurde (von, ich glaube, Roberto Rosselli del Turco) einmal mehr darauf hingewiesen, dass ja heute <strong>alle<\/strong> Editionen mit digitalen Werkzeugen erstellt w\u00fcrden, man deshalb auch von \u201edigital born printed editions\u201c sprechen k\u00f6nne, dies aber eben auch noch lange keine digitalen Editionen ausmachen w\u00fcrde. Zum anderen betonte die gewohnt klarsichtige <a title=\"Elena Pierazzo\" href=\"http:\/\/www.elenapierazzo.org\/\" target=\"_blank\">Elena Pierazzo<\/a>, dass wir digitale Editionen deshalb machen, weil wir andere Gegenst\u00e4nde erschlie\u00dfen und andere Zielstellungen (z.B. in der Repr\u00e4sentation der Textgenetik) verfolgen wollen. Deshalb k\u00f6nne es nicht darum gehen, bessere Editionen in der Tradition des Buchdrucks zu machen\u00a0 &#8211; selbst dann nicht, wenn man dazu die besten digitalen Mittel einsetzen w\u00fcrde. Man sei schlie\u00dflich an Dingen interessiert, die im Druck nicht nur nicht m\u00f6glich sind, sondern in der Druckkultur noch nicht einmal denkbar waren.<\/p>\n<p>Das ist eine klare, aber radikale Position, die wohl nicht von allen geteilt werden w\u00fcrde. Schlie\u00dflich gibt es daneben auch viele, die betonen w\u00fcrden, dass es sehr wohl auch um die (bessere) Edition von Materalien geht, die man immer schon edieren wollte und um die dabei jetzt anzuwendenden besseren Methoden und Werkzeuge. Aus dieser Perspektive bleibt es schwierig, ein klares Kriterium zu finden, an dem sich die digitalisierte oder blo\u00df irgendwie in digitaler Form vorliegende Edition von der \u201ewirklich\u201c digitalen Edition unterscheidet.<\/p>\n<p>Die terminologische Trennung scheint \u00fcbrigens auch auf der internationalen Ebene zu funktionieren: Digitized is not digital. Es gibt zwar auch noch das Wort \u201edigitalized\u201c, aber das scheint (wenn es nicht nur ein <span title=\"oder furchbarer, wie wir Rheinl\u00e4nder sagen\">furchtbarer<\/span> Germanismus oder ein einfaches Synonym zu \u201edigitized\u201c ist) etwas (und zwar verschiedenes) Anderes zu bedeuten. \u00a0N\u00e4mlich u.a. eine allgemeinere Durchdringung von Wissenschaft und Welt durch die Prinzipien des Digitalen und nicht so sehr das Digital-Werden von bestimmten \u201eDingen\u201c oder Informationen. Zuletzt ist \u201edigitalized\u201c auch in den Digital Humanities auf einem <a title=\"Text and Genre in Reconstruction. Effects of Digialization ...\" href=\"http:\/\/www.openbookpublishers.com\/reader\/64\" target=\"_blank\">Buchtitel<\/a> aufgetaucht, nicht aber in dem betreffenden Buch selbst &#8211; so dass auch hier weiterhin unklar bleibt, was es denn genau f\u00fcr unseren Fragenkreis bedeuten und beitragen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Was das Ph\u00e4nomen \u201eeine digitalisierte Edition ist keine digitale Edition\u201c in seiner sprachlogischen Problematik betrifft, so h\u00e4tte ich gerne Analogien aus bisherigen Wortentwicklungen. Es m\u00fcsste so etwas sein wie \u201eein befreiter Mensch ist kein freier Mensch\u201c (nur mit mehr Sinn!). Hat jemand ein besseres Beispiel?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NeDiMAH, das \u201eNetwork for Digital Methods in the Arts and Humanities\u201c enth\u00e4lt unter anderen eine Arbeitsgruppe zu \u201eScholarly Digital Editions\u201c. Die erste Veranstaltung (ein \u201eExpert Meeting and Workshop\u201c) zu diesem Themenkomplex hatte laut Call einen Schwerpunkt in der definitorischen Grundfrage: Was ist eigentlich eine \u201edigitale Edition\u201c? Nachdem ich mich mit dieser Frage nun auch schon [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":44,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,10,4],"tags":[35,153,152],"class_list":["post-1122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-forschung","category-reflektion","category-veranstaltungen","tag-digitale-edition","tag-digitalisierung","tag-theoriebildung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/44"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1122"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1138,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions\/1138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}