{"id":10799,"date":"2018-11-30T15:48:00","date_gmt":"2018-11-30T14:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=10799"},"modified":"2018-11-30T15:48:00","modified_gmt":"2018-11-30T14:48:00","slug":"ergebnisse-des-workshops-erweitertes-publizieren-in-den-geisteswissenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=10799","title":{"rendered":"Ergebnisse des Workshops &#8222;Erweitertes Publizieren in den Geisteswissenschaften&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Eintrag ist die Fortsetzung des Beitrags <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8696\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8696<\/a> und dokumentiert die Ergebnisse des Workshops &#8222;Erweitertes Publizieren in den Geisteswissenschaften&#8220;, der im Oktober 2017 am MPIWG in Berlin stattfand. Der erste Teil des Workshops bestand aus Projektvorstellungen und Diskussionen. Im Anschluss daran wurden die TeilnehmerInnen gebeten, Gedanken und Kommentare dazu auf Karteikarten zu schreiben. Diese Karten wurden zu Beginn des zweiten Teils dazu genutzt, grundlegende Themen f\u00fcr die weitere Arbeit zu identifizieren. Dazu wurden die insgesamt 51 Karten einzeln verlesen und dann auf einem gro\u00dfen Tisch in Gruppen aufgeteilt. Durch dieses Clustern lie\u00dfen sich drei Schwerpunkte identifizieren: User, Daten und Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p>Diese Schwerpunkte bildeten die Grundlage f\u00fcr die folgende Gruppenarbeit nach der Methode <em>World Caf\u00e9<\/em>, bei der Arbeitsform wird in der Atmosph\u00e4re eines Caf\u00e9s ein Austausch an Ideen angeregt. Die drei vorher identifizierten Themen bildeten den Konversationsschwerpunkt an den Caf\u00e9tischen. Die TeilnehmerInnen verteilten sich auf diese Tische, um \u00fcber das jeweilige Thema zu reflektieren. Wichtiger Aspekt des World Caf\u00e9 ist, dass nach einer bestimmten Zeitspanne alle TeilnehmerInnen bis auf eine\/n diesen ersten Tisch verlassen und sich \u2013 idealerweise in unterscheidlicher Personenkombination \u2013 anderen Tischen zuwenden. Dort werden sie von den jeweiligen GastgeberInnen in den dortigen Diskurs eingef\u00fchrt und tragen w\u00e4hrend der n\u00e4chsten Periode ihre Gedanken zu dem neuen Themenbereich bei, wodurch neue Verkn\u00fcpfungen von Ideen entstehen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten lassen sich wie folgt zusammenfassen.<\/p>\n<h2>Tisch &#8222;User&#8220;<\/h2>\n<p>Dieser Tisch beobachtete neu entstehende Beziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren. Da beim erweiterten Publizieren vermehrt Daten in anderen Formaten als nur Artikel entstehen, ist es sinnvoll, AutorInnen auch als DatenproduzentInnen zu verstehen, und die Rolle der Lesenden auf die Rolle von UserInnen auszuweiten. Dies schl\u00e4gt auch eine Br\u00fccke zu Donald Knuths Konzept des <em>literate programming<\/em>, der Verwebung von Text und Computerprogramm.<\/p>\n<p>Zwei Bef\u00fcrchtungen wurden zur Sprache gebracht. Einerseits die Sorge, dass Forschungsdaten an Wert verlieren, wenn sie \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind und andererseits dass mit einer Ver\u00f6ffentlichung ein Kontrollverlust einhergeht. Durch die Wahl der Lizenz und die Angabe der AutorInnenschaft kann aber durchaus eine Kontrolle der Weiterverwendung und auch der Nachweis der Urheberschaft stattfinden.<\/p>\n<p>Weiterhin wurde bemerkt, dass sekund\u00e4re Forschungsdaten, die im Forschungsprozess entstehen, unter Umst\u00e4nden wertvolle Nebenprodukte sind, die auch nachgenutzt werden sollten. Darunter fallen (kommentierte) Bibliographien, Linksammlungen, Datenbanken oder Pr\u00e4sentationen.<\/p>\n<h2>Tisch &#8222;Daten&#8220;<\/h2>\n<p>Die Rolle von Daten und vor allem die M\u00f6glichkeit ihrer Wiederverwendbarkeit stand war das Thema dieses Tisches. Es wurde diskutiert, wo Daten im Forschungsprozess anfallen, wie sie abgelegt werden und wie sie bestenfalls weiterverwendet werden k\u00f6nnen. Die Forschungsdaten wurden in drei Klassen eingeordnet: erhobene Daten, Erkenntnisse (z. B. in Form von Artikeln, die die Daten interpretieren) sowie Methoden (z. B. in Form von Computerprogrammen, mit denen die erhobenen Daten ausgewertet werden).<\/p>\n<p>Allerdings wurde auch klargestellt, dass die Kompilierung von Forschungsdaten immer mit einer Forschungsfrage und einem Forschungskontext einhergeht, da diese zwei Faktoren bestimmen, was gesammelt und auch sp\u00e4ter archiviert wird. Gerade deshalb ist es ebenso wichtig, diese \u00e4u\u00dferen Gegebenheiten strukturiert als dazugeh\u00f6rige Metadaten mit zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<h2>Tisch &#8222;Rahmenbedingungen&#8220;<\/h2>\n<p>Das elektronische und erweiterte Publizieren steht mit vielen anderen Aspekten des akademischen Umfelds in direkter oder indirekter Beziehung. Diesem Zusammenspiel wurde an diesem Tisch auf den Grund gegangen. Zentral war die Frage nach den Rahmenbedingungen im Publikationswesen und wie diese beeinflusst werden k\u00f6nnen. Das anschlie\u00dfende Brainstorming f\u00f6rderte zutage, dass die Rahmenbedingungen auf verschiedenen Ebenen der Beeinflussbarkeit angesiedelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die zum Workshop eingeladenen TeilnehmerInnen sind MultiplikatorInnen, die Innovationen wie das erweiterte Publizieren in die ihre Institutionen und Disziplinen tragen und dort etablieren k\u00f6nnen. Somit k\u00f6nnen in dem institutionellen, dem technischen und dem fachspezifischen Bereich \u00c4nderugen im Umgang mit Forschungsdaten und Publikationen angeregt und umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Auf h\u00f6heren Ebenen, in denen soziologische und wissenschaftskulturelle oder politische und rechtliche Rahmenbedingungen zu verorten sind, sind grundlegende Ver\u00e4nderungen eher langfristige Prozesse. Sie sind aus Sicht der Arbeitsgruppe auch nur durch Einsatz von Mittelsleuten erreichbar, beispielsweise durch die DFG oder den Wissenschaftsrat.<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p>Das diesen Workshop dominierende Thema war die Rolle von Forschungsdaten im Publikationsprozess. In der Gruppenarbeit ma\u00dfen insbesondere der Thementisch &#8222;Daten&#8220;, aber auch der Thementisch &#8222;User&#8220; dem Aspekt der \u00f6ffentlichen Forschungsdaten eine zentrale Rolle im Bereich der erweiterten Publikationen bei.<\/p>\n<p>In allen Arbeitsgruppen hervorgehoben wurde die Wichtigkeit von \u00f6ffentlichen Daten und ihrer Dokumentation. Dadurch w\u00fcrden der Wissenstransfer, die Nachhaltigkeit und die Zukunftssicherheit der Forschung garantiert. Die Speicherung und Archivierung der Daten sollte von \u00fcberinstitutionellen (inter)nationalen Institutionen \u00fcbernommen werden. Durch zentrale Repositorien dieser Art entsteht eine h\u00f6here Sichtbarkeit sowohl in der \u00d6ffentlichkeit als auch in der wissenschaftlichen Community. Damit werden gleichzeitig gute Voraussetzungen geschaffen, dass Forschungsdaten auch in anderen Disziplinen nachgenutzt werden. Repositorientypische Funktionen wie Versionierung erlauben die Referenzierung eines \u00e4lteren Standes und damit nicht nur die stete Aktualisierung von Forschungsdaten, sondern sie beiseiten auch das Problem, dass unfertige Daten unter Verschluss gehalten werden unter dem Vorwand, dass die Daten &#8222;noch nicht fertig&#8220; seien.<\/p>\n<p>Gerade der letzte Punkt wurde in den Diskussionen \u00f6fter zur Sprache gebracht, wenn es um die Verz\u00f6gerung bei der Ver\u00f6ffentlichung von Forschungsergebnissen geht. Die TeilnehmerInnen des Workshops waren sich einig, dass Daten so fr\u00fch wie m\u00f6glich ver\u00f6ffentlicht werden sollten, selbst wenn die Daten noch unvollst\u00e4ndig oder nicht ganz bereinigt sind. Es besteht sonst die Gefahr, dass Daten nie publiziert werden, weil in Projektkontexten oft die Zeit fehlt, eine abschlie\u00dfende \u00dcberarbeitung und saubere Publikation vorzunehmen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ergebnisse des Workshops lassen sich in den folgenden vier Punkten zusammenfassen.<\/p>\n<p>1. Forschungsdaten sollten in \u00f6ffentlichen Repositorien abgelegt werden, weil sie dadurch eine hohe Sichtbarkeit bekommen und besser nachgenutzt werden k\u00f6nnen,<\/p>\n<p>2. sie sollten gut dokumentiert sein, damit ersichtlich wird, in welchem Forschungskontext und mit welchen Methoden sie erhoben wurden<\/p>\n<p>3. sie sollten m\u00f6glichst fr\u00fch im Forschungsprozess oder einer Projektlaufzeit ver\u00f6ffentlicht werden, damit sie besser gepflegt werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass nach Ablauf des Projekts das Personal oder die Mittel fehlen, um die Daten zu bereinigen und zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>4. Die Einbindung von Forschungsdaten in erweiterte Publikationen wird durch diese Schritte erleichtert.<\/li>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Eintrag ist die Fortsetzung des Beitrags https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8696 und dokumentiert die Ergebnisse des Workshops &#8222;Erweitertes Publizieren in den Geisteswissenschaften&#8220;, der im Oktober 2017 am MPIWG in Berlin stattfand. Der erste Teil des Workshops bestand aus Projektvorstellungen und Diskussionen. Im Anschluss daran wurden die TeilnehmerInnen gebeten, Gedanken und Kommentare dazu auf Karteikarten zu schreiben. 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