{"id":10368,"date":"2018-08-28T11:51:06","date_gmt":"2018-08-28T09:51:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=10368"},"modified":"2018-08-28T11:51:06","modified_gmt":"2018-08-28T09:51:06","slug":"dariah-de-repository-notizen-zum-nutzen-jenseits-der-nutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=10368","title":{"rendered":"DARIAH-DE-Repository: Notizen zum Nutzen jenseits der Nutzung"},"content":{"rendered":"<p>Das im Dezember 2017 in den produktiven Betrieb \u00fcberf\u00fchrte <a href=\"https:\/\/de.dariah.eu\/repository\">DARIAH-DE Repository<\/a> steht nicht nur Forschenden, sondern auch Ged\u00e4chtniseinrichtungen als Publikationsplattform und Archiv f\u00fcr digitale geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsdaten zur Verf\u00fcgung. Die <a href=\"https:\/\/www.maxweberstiftung.de\">Max Weber Stiftung \u2013 Deutsche geisteswissenschaftliche Institute im Ausland<\/a>\u00a0hat sich dazu entschieden, das DARIAH-DE Repository als einen der bevorzugten Publikationsorte f\u00fcr Forschungsdaten zu nutzen und kein eigenes Repositorium zu betreiben. Die Max Weber Stiftung unterstreicht damit zum einen die Notwendigkeit eines Forschungsdatenrepositoriums als auch das Vertrauen in DARIAH-DE, ein solches langfristig zu betreiben. Dieser Beitrag teilt einige Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus dem halbj\u00e4hrlichen Betrieb und der Nutzung. Es werden die Verortung des DARIAH-DE Repository innerhalb der Infrastrukturlandschaft, das Verh\u00e4ltnis von Bedarf und Nutzung sowie die Rolle der Infrastruktur f\u00fcr Entwicklung einer Publikationspraxis von Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften diskutiert. Die Grundlage bildet ein Vortrag bei der Tagung \u201eForschungsdaten in der Geschichtswissenschaft\u201c am 08.06.2018 in Paderborn <a href=\"https:\/\/digigw.hypotheses.org\/1796\">https:\/\/digigw.hypotheses.org\/1796<\/a>.((Folien unter: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.1285604\">https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.1285604<\/a>.))<\/p>\n<h2 style=\"font-size: 175%\">Der Mythos der divergierenden F\u00e4cher in generischer Infrastruktur<\/h2>\n<p>Eine generische Infrastruktur gibt es nicht. Auch wenn das wissenschaftspolitische Modewort im Kern nur eine m\u00f6glichst breite oder gro\u00dfe Nutzer*innengruppe bezeichnen und Forschungsf\u00f6rderung als besonders effizient illuminieren soll, eine Infrastruktur muss zum Anwendungsfall passen. Das DARIAH-DE Repository versteht sich nicht als institutionelles oder disziplin\u00e4res, sondern als \u00fcbergreifendes Angebot f\u00fcr alle Geistes- und Kulturwissenschaften. Durch eine modulare Architektur sollen dennoch die spezifischen Anforderungen der F\u00e4cher erf\u00fcllt\u00a0werden \u2013 ein hoher Anspruch. Wer die Diversit\u00e4t der Geisteswissenschaften kennt und wie diese in den F\u00e4chern kultiviert wird, h\u00f6rt hier schon die ersten Stimmen, die behaupten, dass es in ihrem Fall nicht passt. Diese Reaktionen sind nicht selten auch ein Resultat der jahrelang praktizierten Abgrenzungsrhetorik der geisteswissenschaftlichen Disziplinen untereinander, die das jeweilige Fortbestehen insbesondere der kleineren F\u00e4cher legitimieren sollten. Eine Verortung funktioniert manchmal am besten \u00fcber Abgrenzung: das l\u00e4sst sich so f\u00fcr das DARIAH-DE-Repository ebenfalls nachvollziehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Disziplin\u00e4r ausgerichtete Datenzentren, wie etwa die <a href=\"https:\/\/www.clarin-d.net\/de\/ueber\/zentren\">CLARIN-D Zentren<\/a>, bieten f\u00fcr entsprechend standardisiert aufbereitete Daten aus den angesprochenen F\u00e4chern in der Regel das bessere Angebot, weil Zugang, Reichweite und Pflege effizienter gestaltet sind.<\/li>\n<li>Institutionelle Repositorien wie <a href=\"https:\/\/data.ub.uni-muenchen.de\/\">Open Data LMU<\/a>\u00a0oder das <a href=\"http:\/\/dch.phil-fak.uni-koeln.de\/\">Data Centre for the Humanities Cologne<\/a> k\u00f6nnen durch die lokale Verortung oftmals bessere Beratungsangebote und Unterst\u00fctzung anbieten und sind \u00fcber die institutionelle Aufgabe auf die lokal vorhandenen F\u00e4cher zugeschnitten.<\/li>\n<li>Wenn nur eine DOI und ein sicherer Ablageort ben\u00f6tigt werden, bieten Dokumentenserver wie <a href=\"https:\/\/zenodo.org\/\">Zenodo <\/a>in der Regel eine schnellere und komfortablere Prozedur des Uploads. Der Mehrwert des DARIAH-DE-Repository durch weitere Komponenten kommt erst zum Tragen, wenn die Anspr\u00fcche h\u00f6her liegen als einen zitierf\u00e4higen Link zu erzeugen.<\/li>\n<li>Publikationsbezogene Repositorien wie <a href=\"https:\/\/datadryad.org\/\">Dryad<\/a>, die auch eine basale Qualit\u00e4tssicherung und Datenkuration anbieten, existieren f\u00fcr die Geisteswissenschaften bisher nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer auf eine passende Infrastruktur zugreifen kann, der\/dem sei das Argument zugestanden, dass es eine bessere Alternative zum DARIAH-DE-Repository gibt. Die L\u00fccken, die oben genannte Angebote hinterlassen, f\u00fcllt das Angebot von DARIAH-DE und formuliert so sein Alleinstellungsmerkmal. Es darf daher postuliert werden, dass das DARIAH-DE-Repository nicht immer die beste, aber immer eine L\u00f6sung darstellt. Wenn ein fl\u00e4chendeckendes Infrastrukturangebot f\u00fcr Forschungsdaten das Ziel ist, m\u00fcssen auch \u00dcberlappungen und Redundanzen zwischen den Angeboten bestehen \u2013 sonst f\u00e4llt schnell ein Anwendungsfall durch das Raster.<\/p>\n<h2 style=\"font-size: 175%\">Der Interessenkonflikt\u00a0zwischen Kreation und Verwertung<\/h2>\n<p>Mit dem offiziellen <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8796\">Launch des DARIAH-DE-Repository<\/a> Ende letzten Jahres, hat auch die Max Weber Stiftung in den Auslandsinstituten die Ank\u00fcndigung verbreitet und eingeladen, mit Unterst\u00fctzung der Redaktion perspectivia.net bereits vorhandene Forschungsdaten zu publizieren. Im ersten halben Jahr wurde jedoch weder ein Datensatz publiziert, noch ging eine Anfrage zu einer geplanten Datenpublikation ein. Auch die Gesamtzahl der bisher publizierten Datens\u00e4tze ist \u00fcberschaubar. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn ein Forschungsdatenrepositorium ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung f\u00fcr eine Forschungsdatenpublikation. Daraus abzuleiten, dass hier offensichtlich kein Bedarf vorliegt, ist zugleich richtig und falsch. Die\/der einzelne Forschende hat in der Regel keinen konkreten Bedarf, seine Forschungsdaten zu publizieren, weil Reputation, Auftrag und teilweise auch Kompetenzen fehlen.((Ausf\u00fchrlicher dazu z.B. bei Ben Kaden: Warum Forschungsdaten nicht publiziert werden, in: LIBREAS. Library Ideas, 33 (2018), <a href=\"https:\/\/libreas.eu\/ausgabe33\/kaden-daten\/\">https:\/\/libreas.eu\/ausgabe33\/kaden-daten\/<\/a>)) Einen unmittelbaren Bedarf an Infrastruktur um seiner selbst willen gibt es nicht. Es gibt jedoch Bed\u00fcrfnisse, die auf Infrastruktur angewiesen sind. Und es besteht ein allgemeiner Bedarf seitens der Forschenden und in zweiter Linie auch der Industrie oder der Gesellschaft, dass Forschungsdaten publiziert werden. Die Gr\u00fcnde und Barrieren, warum Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften nicht ver\u00f6ffentlicht werden sind zahlreich und komplex, weil sie zum einen in den sich selbst st\u00fctzenden Strukturen des Wissenschaftssystems liegen (z.B. das Karriere- und Reputationssystem) und zum anderen von externen Rahmenbedingungen abh\u00e4ngig sind, in denen Wissenschaft nur eine untergeordnete Priorit\u00e4t genie\u00dft (z.B. Urheberrecht). Trotzdem unterscheiden sich diese H\u00fcrden signifikant von dem Hindernis einer nicht vorhandenen Infrastruktur. W\u00e4hrend strukturelle Widerst\u00e4nde situativ umschifft werden k\u00f6nnen (hier eine mutige Wissenschaftlerin, dort ein fairer Urheber), muss eine Infrastruktur wie ein Datenrepositorium grunds\u00e4tzlich vorhanden sein und kann nicht umgangen werden.<\/p>\n<h2 style=\"font-size: 175%\">Die Wirkung niedriger Schwellen und reicher Ausstattung<\/h2>\n<p>Technologie und Infrastruktur kann durch zwei Faktoren die eigene Nutzung positiv bef\u00f6rdern: Verringerung des Aufwandes und Erh\u00f6hung des Ertrages. Ein Forschungsdatenrepositorium kann die Publikationspraxis also durch einen niedrigschwelligen und nutzerfreundlichen Publikationsprozess sowie durch eine umfangreiche und qualit\u00e4tsvolle Featureliste bef\u00f6rdern. Ein <a href=\"https:\/\/wiki.de.dariah.eu\/display\/publicde\/Das+DARIAH-DE+Repository\">Factsheet des DARIAH-DE-Repository<\/a>\u00a0l\u00e4sst nur wenig W\u00fcnsche offen: Authentifizierungsinfrastruktur, Publikationsworkflow, Identifizierung, Referenzierung, Indexierung, Repr\u00e4sentation, Prozessierbarkeit, Open Access, Bitstream Preservation und (laufende) Zertifizierung. Die DARIAH-DE-AAI etwa ist eines der heimlichen Prunkst\u00fccke der DARIAH-DE-Infrastruktur, weil sie die Nutzung aller Dienste mit einem Account erlaubt, der \u00fcber die meisten Hochschulaccounts zug\u00e4nglich ist. Welche Bedeutung der Zugang mit einem bekannten Account f\u00fcr die Nutzung eines Dienstes hat, demonstrieren die Internetgiganten eindrucksvoll genug.<\/p>\n<p>Obwohl die erforderliche Eigenleistung der Forschenden im klassischen Publikationsbereich stetig gestiegen ist (Ready-to-print), besteht dennoch ein (berechtigter) Anspruch an Unterst\u00fctzung im Publikationsprozess, der bei wenig reputierlichen Formaten wie einer Forschungsdatenpublikation erst recht erf\u00fcllt werden sollte. Der Publikationsdienst (DARIAH-DE Publikator: eine Metadateneingabemaske mit Fileupload) k\u00f6dert subtil mit wenigen Pflichtfeldern und einfachem Schema (Dublin Core Simple). Niedriger l\u00e4sst sich diese Schwelle kaum mehr setzen, lediglich die Usability der Eingabemaske wird sich zunehmend verbessern. Wer zus\u00e4tzlichen Aufwand nicht scheut, f\u00fcr die\/den l\u00e4sst die DARIAH-DE-Datenf\u00f6derationsarchitektur mit der Collection Registry und dem Data Modelling Environment kaum W\u00fcnsche offen.((Vgl. dazu Claudio Leone: DARIAH-DE \u2013 Forschen mit digitalen Diensten und Werkzeugen f\u00fcr alle Geistes- und Kulturwissenschaftler, DHd-Blog, 13. Februar 2018, <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9082\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9082<\/a> und Beata Mache: Meine erste Kollektion im DARIAH-DE Repository, DHd-Blog, 07. Dezember 2017, <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8798\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8798<\/a>. Die Schwachstellen beleuchten Lisa Klaffki und Timo Steyer: Kann man da eben mal was eintragen und visualisieren? Digitaler Praxistest f\u00fcr die DARIAH-DE-Infrastruktur, Poster auf der DHd2018 in K\u00f6ln. Poster und Abstract: DOI: <a href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.20375\/0000-000B-CADD-9\">https:\/\/dx.doi.org\/10.20375\/0000-000B-CADD-9<\/a>.))<\/p>\n<p>Mit dem Uploadbutton erf\u00fcllt ein\/e Datenautor*in aus dem Stand 93% der <a href=\"https:\/\/www.force11.org\/group\/fairgroup\/fairprinciples\">FAIR-Data-Prinzipien<\/a>, die als Grundlage und Ritterschlag gleicherma\u00dfen f\u00fcr nachnutzbare Daten gelten.((Vgl. <a href=\"https:\/\/www.force11.org\/group\/fairgroup\/fairprinciples\">https:\/\/www.force11.org\/group\/fairgroup\/fairprinciples<\/a>, I1 und I2. Bisher werden noch keine kontrollierten Vokabulare in den Metadaten unterst\u00fctzt.))Dies gilt nat\u00fcrlich nur f\u00fcr diejenigen Prinzipien, die ein Infrastrukturanbieter erf\u00fcllen kann und erh\u00f6ht den Druck auf die Datenautor*innen, die inhaltlichen und formalen Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be, die mit den FAIR-DATA-Prinzipien an die Daten gelegt werden, zu erf\u00fcllen.((Vgl. hierzu Angelina Kraft: The FAIR Data Principles for Research Data, in: TIB-Blog &#8211; Weblog der Technischen Informationsbibliothek (TIB), 12. September 2017, https:\/\/blogs.tib.eu\/wp\/tib\/2017\/09\/12\/the-fair-data-principles-for-research-data\/)) Trotzdem kann die Infrastruktur hier als Motor f\u00fcr eine Publikationspraxis von Forschungsdaten auftreten, wenn der zus\u00e4tzliche Aufwand mit zus\u00e4tzlichem Ertrag durch unsichtbare oder automatisierte Prozesse entlohnt wird, wie die automatisierte Indexierung in akademischen Suchmaschinen \u00fcber DataCite-DOI-Metadaten. Die f\u00fcr die Digital Humanities Community am h\u00e4ufigsten nachgefragten Features erf\u00fcllt das DARIAH-DE-Repository nat\u00fcrlich auch: API und Downloadbutton. Die zahlreichen Entwicklungen im Bereich der Forschungsinfrastrukturen sind nicht nur ein Angebot, sondern auch eine Aufforderung an die Forschenden und deren Organisationen, diese Angebote in ihre Praktiken aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das im Dezember 2017 in den produktiven Betrieb \u00fcberf\u00fchrte DARIAH-DE Repository steht nicht nur Forschenden, sondern auch Ged\u00e4chtniseinrichtungen als Publikationsplattform und Archiv f\u00fcr digitale geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsdaten zur Verf\u00fcgung. 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